Gemeinsamkeiten kann ich nur mit einem anderen Menschen haben, den ich respektiere und der mir nicht fremd bleiben will.


Frohes Osterfest!

Da fällt mir was ein... (Für Gäste auch dies nich

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von Thomas • Kategorie: Wie läuft es denn hier im Forum so (zuletzt bearbeitet: 17.12.2017 15:57)

SIEBEN

Sydney und der Weg dahin, 23 – 26. Februar

Nun fahren wir endlich genau in die richtige Richtung: Kurs 270 Grad – falls es unter den werten Lesern jemanden gibt, der weder von Geographie noch von Geometrie eine Ahnung hat: das ist genau West. Damit aber meine Freude hierüber nicht überbordet, nehme ich das erste mal auf dieser Reise Kontakt mit der Aussenwelt auf: ich logge ins Internet ein. 120 Minuten kosten 47 Dollar, das wird mir aber als Cunard World Club Gold Mitglied geschenkt. Na gut. Erst mal Virenschutz updaten. Mache zu Hause täglich, sonst wird es auch automatisch gemacht. Nach drei Wochen sind es aber mehr als zehn Mega und das dauert hier mehr als zehn Minuten. Als nächstes Bankkonto kontrollieren. Dauert auch ewig; nichts unerwartetes. Und dann E-Mail – du meine Güte! Da merkt man erst, mit wie viel belangloser Scheisse man sonst wertvolle Lebenszeit vergeudet! Vinoselektion sendet alle paar Tage einen tollen Sonderangebot. El Pais stellt ihre Wochenend-Beilage vor und was sie sonst gerne verkaufen möchte: Bücher, Sprachkurse... Jede Fluggesellschaft, mit der wir je geflogen sind, möchte uns dauernd irgendwo hinfliegen. Das Hotel in München, die Mietwagenfirma, die Lufthansa wollen wissen, wie es war, warum oder warum nicht. Und dann die lieben Freunde und Verwandten, die dauernd die gleichen tollen Bildern, von den schönsten Brücken dieser Welt bis zu kopulierenden Elefanten, zehnmal gelesene alte Witze und einen, unter anderen Umständen vielleicht ganz amüsanten, russischen Polizeibericht unbedingt schicken zu müssen glauben. Nach 61 von 139 zu empfangenden neuen Mails breche ich entnervt ab. Ich weiss nicht, ob ich die restlichen vielleicht 60 Gratisminuten noch in Anspruch nehmen werde...

Freitag, 24. – noch ein Seetag zum Kräfte sammeln. Morgens ein Tee, danach fünf Runden Walking. Tagsüber unterschiedliche Programme. Gestern war zum Beispiel wieder mal deutsche Mittagsrunde. Wir hatten diesmal Glück: wir sassen an einem Sechsertisch und fünf davon waren ehemalige Segler. So hatten wir ein Gesprächsthema, das einerseits alle interessiert hat, andererseits keine unterschiedliche Weltanschauungen hervortreten liess – dass der eine, ausgerechnet ein Schweizer, Windkraftwerke für Quatsch hielt, habe ich mit etwas Mühe „überhört“. Danach klassisches Klavierkonzert. Der Mann konnte zwar Klavier spielen, tat es aber dermassen emotionslos eintönig, dass wir den Saal verliessen, ehe wir schlafend vom Stuhl gefallen sind.

Abends war „formal“. Ich habe diesmal sogar zwei Krawatten dabei, trage sie abwechselnd; gestern war die hellere dran. An formalen Abenden taucht jeweils auch ein Fotograf auf. Therese hatte die Idee, unsere Tischrunde ablichten zu lassen; die zwei Kanadierinnen und das australische Ehepaar fanden die Idee gut, so habe ich gar nicht versucht, mein Veto einzulegen. Die Kanadierinnen haben wir richtig gern; die Australier wären auch in Ordnung, nur spricht Ron leise, schnell und ununterbrochen, womit wir nach wie vor überfordert sind.

Heute haben wir schon die australischen Einreiseformalitäten hinter uns bringen können. Ein paar Beamte kamen an Bord und sassen in einem nicht benutzten Teil eines Restaurants. Am ersten Tisch bekamen wir unsere Pässe wieder. Nach ganz kurzer Wartezeit mussten wir ein bereits am Vortrag ausgefülltes Formular abgeben, die Passbilder wurden mit den Gesichtern verglichen. Am letzten Tisch Pässe wieder abgeben – und das war es schon. Sehr wohltuend und bestens organisiert, im Gegensatz zu dem Affentheater, was die Amerikaner nicht erst unter Trump veranstalten.

Danach Englischstunde. Jetzt läuft Thereses Waschmaschine und ich schreibe.

Später entschliesse ich mich zu einem weiteren Versuch mit Internet – es wird wohl mein letzter gewesen sein; Details erspare ich euch und mir.

Sydney, 25. Februar
In Australien ist das Wetter trüb, es regnet fast ständig mehr oder weniger heftig und es wird auch tagsüber nie ganz hell – aber vielleicht sollte man nach erst acht Stunden auf einem neuen Kontinent noch keine allgemeingültige Schlüsse ziehen. Und wer meint, acht Stunden sind doch nichts, täuscht sich gewaltig: Wir haben schon eine Rundfahrt in dieser sehr schönen Stadt absolviert. Hielten an einem Aussichtspunkt namens Mrs. Macquerie’s Chair – was es mit diesem „Stuhl“ auf sich hat, habe ich zwar nicht verstanden, Erklärungen finde ich aber auch zu Hause, das Wesentliche ist das Erlebnis von gesehen zu haben und das ist nur vor Ort möglich, deshalb sind wir da. Nächster Halt: Bondi Beach, Australiens berühmtester Surf Strand. Es gibt tatsächlich ziemlich Brandung, wir sind wohl ausserhalb der riesigen Hafenbucht, die Captain Cook seinerzeit als die schönste, die er je gesehen habe, bezeichnet haben soll. Das Ufer ist dicht bebaut, mit Läden, Imbissbuden, Vortragssälen – und zum Glück auch Toiletten.

Wir fahren durch das ehemalige Arbeiterviertel, heute Künstlerparadies, Paddington zurück zu dem weltberühmten Opernhaus. Da hat unsere Tour auch angefangen, weil die Anlegestelle der Tender ganz in dessen Nähe ist. Heute liegen wir nämlich vor Anker. Die Queen Mary 2 liegt auch da, läuft aber am späteren Abend aus, wir werden in der Nacht an seinen Liegeplatz verholen.

Auf die Führung durch das Opernhaus müssen wir etwas warten. Wir nutzen die Zeit, um je einen Kaffee zu trinken – und zwar überraschend gute! Die Führung ist sehr interessant. Wir haben nicht gewusst, dass es nicht nur Oper ist, es sind eigentlich drei zusammenhängende Gebäude, im grössten ist ein Konzertsaal, sehr schön, mit sehr viel hellem Holz (white birch, wenn ich mich richtig erinnere) ausgebaut, mit einer ebenfalls sehr schönen Orgel. Bei Konzerten gibt es 2700 Sitzplätze, bei Opernaufführungen weniger, weil dann die Bühne grösser ist – wobei aber diese Angabe ohne Gewähr ist, während der Bauzeit wurde das Konzept mehrmals überarbeitet, was zuletzt galt, habe ich nicht genau verstanden. Auch im mittleren und kleinen Saal ist die Grösse der Bühne kontra Zuschauerplätze variabel. Verschiedene sehr schöne Foyers, mit grossen Aussichtsfenstern auf die Hafenbucht. Alles soll sehr flexibel, für die verschiedensten Kulturveranstaltungen genutzt werden können. Heute Abend wird Traviata gespielt, sagt die Führerin, Eintrittspreise 240 bis 300 australische Dollar, sofern überhaupt noch welche zu haben sind. 500 Euro für einen Opernabend sind aber für uns leider doch etwas zu viel.

Was auch noch erwähnenswert ist: Seit 2007 ist das Opernhaus von Sydney das jüngste Bauwerk auf der Liste der Weltkulturdenkmäler von Unesco – und das einzige, dessen Architekt, der dänische Utzon, diese Auszeichnung noch erlebt hat.

Nach einem kurzen Besuch im Souvenirladen – auch teuer – können wir ohne Wartezeit wieder auf den Tender. Es gibt relativ viel Wind, weshalb unser Captain beschlossen hat, statt die eigenen Tender die grösseren, zum Hafen gehörenden zu benutzen. Guter Entscheid: sie sind auch schneller und sehr viel bequemer. Unterwegs, wie auch nachher beim späten Mittagessen im Lido, stellen wir fest, dass die Australier sich von dem „bisschen“ Regen nicht beeindrucken lassen: es ist Wochenende, man hat Zeit, ein Boot und genug Wind – mehr braucht es nicht, es wird gesegelt auf Deubel komm raus.

Vor dem Nachtessen besuchen wir noch das Theater. Es spielen sechzehn junge, einheimische Musiker Tango, heiter und schwungvoll, wir geniessen es. Zu einigen Stücken tanzt auch ein Paar, sie sehr schlank mit sehr heller Haut, er erinnert eher an einen wohlgenährten Bär, tanzen kann er aber auch. Nachher bleibt uns noch Zeit für ein Apero und dann nehmen wir unser letztes Abendmahl mit der üblichen Tischrunde ein. Vor allem die zwei Kanadierinnen sind uns ziemlich ans Herz gewachsen – wir ihnen vielleicht auch, June sagt nämlich Therese, sollte sie oder sollten wir (you ist ja sowohl Ein- als auch Mehrzahl) nach Toronto kommen, werden wir immer ein Bett bei ihr haben. Nun hoffen wir, dass wir ab morgen ähnlich nette Tischgenossen bekommen, es sollen 1100 neue Gäste kommen (und eine entsprechende Anzahl natürlich von Bord gehen).

Sonntag früh liegen wir am Quai beim Overseas Passenger Terminal fest; das Verholmanöver mitten in der Nacht haben wir im Tiefschlaf verbracht. Es ist immer noch stark bewölkt bis bedeckt, aber trocken. Gelegentlich gehen wir an Land, in das ganz nahe liegende Stadtteil The Rocks. An diesem Ort soll Sydney entstanden sein, zunächst als Strafkolonie. Davon ist heute nichts mehr zu sehen, obwohl nebst gefühlte eine Million Touristen sicher auch ein paar Taschendiebe unterwegs sind. Wir finden erst mal einen Supermarkt, wo wir, nebst ein paar anderen Kleinigkeiten, die vermutlich teuersten Papiertaschentücher unseres Lebens käuflich erwerben. An einem Laternenpfahl ist ein bunt gestrichenes, altes Fahrrad angekettet, am vorderen und hinteren Gepäckträger mit vielen frischen Blumen und einer Anzahl Pläne: The Rocks Map, A guide to getting lost (ein Führer um sich zu verlaufen), made by many hands. Ansonsten viele Marktstände, Imbissbuden, kleine Läden, Munich Brauhaus mit live Oom Pah Pah band. In einem Schaufenster sind viele Schmuckstücke mit zauberhaft schönen Opalen; auch ungefasste Steine. Was könnten die kosten? Fragen dürfte auch hier gratis sein. Dieser Anhänger da zum Beispiel? 18.000, sagt der freundliche Mann. Oh... Und der kleine Stein da? Der ist besonders schön, nicht wahr? 92.000. Wir bedanken uns und gehen lieber Kaffee trinken.


ACHT

„Lädele“ und Menschenmenge sind aber selbst in dieser schönen Stadt nicht mein Ding. Ich lasse Therese allein, in der Annahme, dass sie unsere kümmerlichen Reste an australischen Dollares auch ohne meine Hilfe in die örtliche Wirtschaft schleusen kann und gehe zurück aufs Schiff. Inzwischen scheint die Sonne hell und warm. An Deck 9 achtern finde ich einen schattigen Platz draussen und geniesse eine Weile die wirklich einmalige Lage: auf der einen Seite die Oper, auf der anderen die Harbour Bridge; auf dem Wasser reger Ausflugsverkehr. Wir sind wahrscheinlich auch eine der zahlreichen Attraktionen.

Etwas später erst recht – gegen 18 Uhr legen wir ab. Dazu muss natürlich eine Sailaway-Party stattfinden: auf Deck 9 achtern, im Poolbereich werden Champagner von Veuve Cliquot und Cocktails angeboten und eine Livebande macht durch ein paar Kilowatt verstärkten Krach. Das lockt viele an wie Scheisse Fliegen und das ist gut so, so gibt es nämlich genug freie Plätze, wo man das Wesentliche beobachten kann: das Ablegemanöver. Das ist für uns und einige andere Gäste Spektakel genug. Erst werden zwei und danach die anderen zwei Heckleinen an Land losgeworfen und eingeholt; das gleiche passiert sicher auch mit den Bugleinen, das sehen wir aber von da nicht, das Schiff ist ziemlich länger als ein Fussballfeld. Und dann rücken wir mit Hilfe der Bugstrahler und dem quergestellten Hauptantrieb langsam von der Pier ab, erst mal millimeterweise, dann etwas schneller. Ist ein Sicherheitsabstand erreicht, nehmen wir ganz langsam Fahrt auf, rückwärts. Gelegentlich gibt unsere Schiffssirene drei lange Töne von sich, ob als Abschied oder Warnung an die Ausflugsboote, sich nicht von uns zermalmen zu lassen, weiss ich nicht – gegen diese Töne hat selbst die Livebande keine Chance. Sobald der Bug ganz freikommt, drehen wir nach Backbord und nehmen Fahrt vorwärts auf. Das Opernhaus ist dabei die ganze Zeit ganz nahe, wir sehen es nach und nach von drei Seiten. Die Gebäude Sydneys bleiben langsam zurück, wir fahren an einem bewaldeten Kap vorbei, der pilot (Lotse) wird abgeholt – das ist auch immer interessant – und dann sind wir unterwegs.


Weiter entlang der Ostküste Australiens

Nun sind wir gespannt, wer an unserem Tisch neu auftaucht. Zuerst kommt ein altes australisches Ehepaar, Jim und...? Sie sind aus Melbourn, flogen in anderthalb Stunden nach Sydney; mit dem Auto wären es elf Stunden gewesen. Australien ist zwar der kleinste Kontinent, aber ein grosses Land. Mit einer halben Stunde Verspätung taucht dann ein jüngeres Paar auf. Er macht einen etwas ungehobelten Eindruck, aber nicht die Sorte „einfacher“ Arbeiter – die mag ich – sondern eher Neureich. Therese meint, abwarten – ich vertraue auf meinen ersten Eindruck. Sie glaubt, sie sind auch Australier, ich meine gehört zu haben, aus Manchester; sein Englisch verstehen wir aber beide nicht.

Auch unser wortkarger aber bewährter Kellner Mariano ist nicht mehr, er wurde zu anderen Tischen versetzt, sagen seine zwei jungen Gehilfen. Nun haben wir einen „Schnöri“ (Schwätzer) mit dem ur-philippinischen Namen Hermann – auch keine Verbesserung.

Nach dem Nachtessen bin ich noch ungewöhnlich munter. Therese folgt meinem Vorschlag: wir gehen ins Theater. Je zwei Frauen und Männer aus Sydney singen mich a cappella bettreif.

Montag, 27. Februar, Seetag. Bedeckt, da und dort sieht man Regen, Backbord, weiter weg, einige australische Gebirgszüge; hie und da hört man Donnergrollen. Es soll zwar nur 23 Grad warm sein, aber hohe Luftfeuchtigkeit und praktisch kein scheinbarer Wind, so komme ich beim Walken leicht ins Schwitzen – Entscheid: fünf Runden reichen nach wie vor.

Mein aktuelles Buch langweilt mich – ich stelle bald fest, dass ich es eh schon mal vor ein paar Jahren gelesen habe, wahrscheinlich spanisch. So gehe ich in die Bibliothek und hole zwei andere.

Die gute Nachricht ist: meine Erkältung ist weitgehend abgeklungen. Die schlechte: nun fängt Thereses an. Zum Nachtessen gehen wir nicht in Britannia, sie isst nur einen Teller Suppe – ich etwas mehr...

Am nächsten morgen um acht sind wir fest, knapp zehn Meilen vom Stadtzentrum von Brisbane. Warum so weit weg, erklärt unsere Führerin im Bus: Brisbane liegt am gleichnamigen Fluss, hat auch ein Kreuzfahrtterminal, nur ist unser Schiff entweder zu lang, um im Fluss wenden oder zu hoch, um unter der Brücke durchfahren zu können – oder beides. So liegen wir im eigentlichen Frachthafen. Nebst Container, wie überall, wird hier auch Schüttgut verladen: Getreide, Sand, Kohle. Letztere wird per Eisenbahn herangefahren und die Waggons sind leider offen, so hat sie immer Kohlenstaub in ihrem Haus, obwohl sie zwanzig Autominuten entfernt wohnt. Etwas anderes hatte sie auch schon im Haus: bis jetzt sechs Schlangen von der zweitgefährlichsten Art der Welt, deren Namen ich zwar nicht verstanden habe, aber hoffe, dass ich ihn mir auch nicht werde merken müssen...

Etwas anderes erklärt sie auch: Ich habe mich schon gefragt, wieso wir von Sydney nach hier die Uhren wieder um eine Stunde zurückstellen mussten; Brisbane liegt ja nicht westlicher. Nun, der Bundesstaat, wo Sydney liegt, hat auch den Unsinn von Sommerzeit, die in Queensland (Brisbane liegt da) sind aber nicht so blöd.

Seit die Brücke gebaut wurde, ist dieser Vorort sehr beliebt geworden. Ein kleines, einfaches Einfamilienhaus kostet hier nun nicht renoviert sieben bis achthunderttausend, renoviert bis zu einer Million. Neuerdings wollen aber Viele näher am Stadtzentrum wohnen; eine Wohnung dort kostet aber auch um die 750 tausend; welche Grösse, sagt sie nicht. Eine arme Stadt scheint es nicht gerade zu sein: auf dem Weg ins Zentrum fahren wir an Vertretungen von Porsche, Jaguar, Ferrari, Maserati, AMG vorbei – VW, Ford, Subaru, Mazda, Honda haben sich aber auch dazwischengefrecht.

Im Zentrum stehen viele bis zu 200 m hohe, moderne Gebäude, dazwischen aber auch schöne, ältere. All zu alt können auch die nicht sein: vor nur dreihundert Jahren war hier noch gar nichts – ausser Landschaft natürlich. Das höchste Gebäude gehört hier ausnahmsweise nicht einer Bank, sondern der Verwaltung; ob von Stadt oder Staat, weiss ich nicht.

Auf einer Anhöhe halten wir für etwas mehr als eine Stunde. Ich trinke einen Kaffee mit einem Stück Apfelkuchen dazu, Therese will nur Wasser. Ihre Erkältung macht ihr zu schaffen, sie ist vor allem müde. Im Souvenirshop reizt sie nichts, will auch keine Karten kaufen, sogar das fotografieren überlässt sie mir. Sie tut mir sehr leid, kann es nachfühlen; ich habe dies – hoffe ich – hinter mir. Die Landschaft ist ziemlich grün, bewaldet, auch im Stadtzentrum gibt es kleine Parks, viele Blüten und Bäume.

Mittwoch, 1. März – ohne elektronische Hilfsmittel wüsste ich weder Wochentag, noch Datum. Dieses Phänomen kenne ich von unserer Seezigeunerzeit gut. Windrichtung und Stärke, Standort, Kurs und Geschwindigkeit, Entfernung zum nächsten Waypoint – das waren die wichtigen Daten, Uhr und Kalender unwichtig – und die Nachrichten aus der grossen, weiten Welt völlig belanglos. Hier ist es ähnlich, obwohl ich natürlich mit Schiffsführung und Navigation nichts zu tun habe, aber diese Daten interessieren mich trotzdem viel mehr, als die neuesten klugen oder blöden Sprüche von Merkel, Trump, Putin, Schweinsteiger oder Madonna.

Thereses Erkältung ist nun in vollem Gang, da muss die Arme nun leider auch durch. Gestern assen wir trotzdem im Britannia zur Nacht, das Lido ist uns recht für Frühstück und Zwischenverpflegung, aber am Abend sollte es doch etwas besser, gepflegter sein. Man fand für uns vorübergehend wieder einen Zweiertisch, wie schon während meinen „Tagen“ – wir wollen weder unsere Tischgenossen anstecken, noch haben wir Lust auf englische Unterhaltungsversuche.

Nach dem Nachtessen ging ich kurz auf Deck 3 hinaus. Wir waren noch in Landnähe, man sah viele Lichter. Die Nacht war total mild, kaum Wind, wir hatten auch noch nicht die volle Reisegeschwindigkeit, so glitten wir leise dahin. Einmalig schön!

Wir gehen neuerdings ungewöhnlich früh schlafen. Es gibt zwar gutes Licht zum lesen im Bett, aber nach dem Prinzip alles oder nichts. Um Therese also nicht all zu lange zu stören, schalte ich es bei meinen ersten Ermüdungserscheinungen aus. Entsprechend früh werde ich also auch wach. Ich gebe die ausgefüllte Ausreiseformulare ab – die Australier brauchen das, wozu, wissen sie vielleicht selbst selber nicht mehr – fahre hoch ins Lido, trinke einen Tee mit einem kleinen Croissant, der hier sogar Thereses hohen Ansprüchen genügt, fahre wieder runter auf Deck 3 und fange mit meinen Walking-Runden an, obwohl es erst 07:40 Uhr ist. Eigentlich sollte man nicht vor acht, weil darunter auf Deck 2 zum Teil Kabinen sind. Es sind aber schon einige Menschen unterwegs, wenn auch ohne Stöcke. Jüngere und junggebliebene zum Teil im recht forschen Tempo, andere sich mühsam trippelnd hinschleppend; die haben meine Hochachtung – im Gegensatz zu den zahlreichen Fettkolossen, denen es auch besser täte als die fünf Scheiben Toast mit viel Speck, Eier und Würstchen, mit denen sie ihr Tagewerk zu beginnen pflegen.

Trotz der frühen Stunde ist es bereits schwülwarm. Wir fahren ja seit Tagen nach Norden, was hier auf der Südhalbkugel das gleiche ist, wie bei uns drüben der Süden. Auf Steuerbord brennt auch schon die Sonne, obwohl es stellenweise heftig „regnet“: früh am Morgen werden nämlich die Rettungsboote, die hier über uns hängen, abgespritzt, weshalb und wozu, weiss ich nicht. Dabei stelle ich fest, dass die Organisation selbst bei Cunard nicht in allen Punkten perfekt ist: Die Deckstewards gehören zu einer anderen Abteilung als das Wartungspersonal. So passiert es, dass erstere schon die Polster aus den grossen Kisten geholt und auf die Liegen verteilt haben, ehe letztere diese Abspritzaktion durchführen. Resultat: zum Teil triefend nasse Polster. Der gemeinsame Chef vom technischen und Hotelpersonal ist kein geringerer als der Captain – und wer würde sich schon getrauen, bei dem wegen nassen Polstern zu reklamieren?


NEUN

Therese geht es heute gar nicht gut, sie will nicht einmal zu Abend essen. So stürze ich mich halt allein in Schale – heute ist formal – und gehe ins Britannia. Unser alternativer Zweiertisch, quasi die Krankenstation, ist zu haben. Alle Kellner vermissen sie, die zwei Schweizer Männer wünschen ihr gute Besserung.

Donnerstag geht es ihr etwas besser. Nach dem Morgentee walke ich vier und halb Runden; es ist bereits zu warm für mehr – oder ich bin zu faul. Ich gehe lieber ins Commodore Club zum Lesen und die Aussicht geniessen: Himmel, Wasser, an Backbord hinter etwas Dunst Berge, hie und da ein Frachtschiff. Wir fahren Richtung Nordwest zwischen der Küste Queenslands und dem Great Barrier Riff. Etwas später finde ich Therese, sie liest nun auf einem Liegestuhl auf Deck 3. Als mein Buch fertig ist, gehe ich in die Bibliothek für die übliche Qual der Wahl. Eine Dame spricht mich an, fragt, ob ich dieses Buch genossen habe – did you enjoy it? deutsch würde man eher fragen, ob es mir gefallen hat – und als ich mit yes antworte, empfiehlt sie mir ein anderes vom gleichen Autor.

Freitag werde ich um vier Uhr wach. Der Versuch, „das ist doch eine verdammte Scheisse! Ihr könnt mich mal! Jetzt macht ihr aber gefälligst, dass...“ englisch und doch etwas zivilisierter zu formulieren, lässt mich eine Stunde nicht wieder einschlafen. Gestern abend nämlich, als ich unsere Tour Tickets bereitlegen wollte, stellte ich fest, dass ich sie gar nicht habe. Gemäss der Liste hätten wir die nächste Ladung am 28. Februar bekommen sollen – haben wir aber nicht und ich habe es versäumt, das zu kontrollieren. Es hat bis jetzt ja immer geklappt. Muss ich mich denn um alles selber kümmern? Geht nächstens auch noch der Brennstoff aus, oder vergessen sie, den Liegeplatz zu reservieren? Solche lächerliche Gedanken hat man natürlich nur unausgeschlafen in finsterer Nacht...

Die Tour Office ist heute erst von 17 bis 19 Uhr offen. Ich gehe also zum Purser’s Desk. So früh ist erst eine einzige Person da, eine Japanerin. Ihr Englisch ist etwas gewöhnungsbedürftig. Sie wiederholt es aber geduldig: ich soll... ich gehe... ja, kein Problem... sie stellt mir ein handgeschriebenes Ticket aus, diese müssen wir dann... Na also! Es ging dann auch ohne verdammte Scheisse auf englisch – oder japanisch...

Die Tour selber beginnt heute erst um 13 Uhr, wir müssen uns aber diesmal an Land sammeln. Also holen wir Tendertickets und warten, bis unsere Nummer aufgerufen wird. Am gleichen Tisch wartet ein jüngeres, japanisches Paar. Auf Teneriffa waren sie auch schon, es ist sehr schön da. Was soll ich darauf antworten? Dass Japan auch sehr schön ist? Das kann man doch nicht vergleichen! Small talk ist in keiner Sprache meine Stärke.

Unsere heutige Tour ist nicht eine der Höhepunkte dieser Reise, aber auch schön. Die Stadt selber – Cairns – bietet zwar nicht viel, aber der botanische Garten ist fantastisch. Dass der grosse Teil Australiens Wüste ist, weiss man, mir war aber nicht bekannt, dass sie auch tropische Regenwälder haben. Und alle Pflanzen sind sehr kräftig und machen einen absolut gesunden Eindruck. Ja, klar, sage ich, hier überleben nur die stärksten. Aber haben die denn keine Probleme mit Insekten, wie wir? fragt Therese. Das liegt sicher daran, dass die hier alles einheimische Pflanzen sind, die sich in Jahrmillionen durchgesetzt haben, während bei uns... Klingt doch logisch, bin ich nicht ein kluges Kerlchen? Nur stimmt es leider nicht. Diese da kommt aus Jamaika, jene aus Madagaskar... Ach, ist doch egal, bin ich denn Dschungelbotaniker? Schön und sehr beeindruckend sind sie – das reicht doch, oder?

Die Strandpromenade ist auch schön. Rechts Sandstrand, links kleine Hotels und Pensionen, Läden, Cafés; viele Bäume. Solches gibt es aber an unzähligen Orten. Was es nicht überall gibt, ist ein Warnschild: Achtung, an diesem Strand kann es Krokodile geben.

Entlang des Weges gibt es viele Zuckerrohrplantagen. Das sei die zweitwichtigste Einnahmequelle hier, sagt unser Führer. „Die wichtigste seid ihr“, fügt er hinzu, „Tourismus.“ Er redet ununterbrochen – sehr ermüdend, weniger wäre mehr. Ohne ihn hätten wir allerdings wahrscheinlich die Wallabys übersehen, auf einer Grasfläche. Es gab Hunderte; das sind kleine Kengurus. Und in der Stadt hingen an mehreren Bäumen unzählige grosse Fledermäuse oder waren das Flughunde?

Samstag vormittag gibt es einen Vortrag über eines unseren nächsten Zielen: Okinawa. Das Erfreuliche ist, mal davon abgesehen, dass es schön und interessant zu werden verspricht: der Typ spricht ein gut verständliches Englisch. Mangelnde Sprachkenntnisse sind eine Sache, dafür kann Cunard nichts. Was man aber eigentlich erwarten dürfte, wäre, dass zumindest jene, die Vorträge halten oder öffentliche Durchsagen machen, es in einem sauberen Standardenglisch machen und nicht im australischen, schottischen oder weissnichtwasfür Dialekt.

Der ehemalige Concorde-Pilot am Nachmittag kann es auch. Er hält einen Vortrag über den Absturz einer Concorde beim Start in Paris im Jahr 2000. Medienberichten zufolge war die Ursache ein geplatzter Reifen, wegen eines auf der Piste liegenden Metallstückes, was einen Treibstofftank leckgeschlagen hat. Einfache Erklärung und Schuldzuweisung, wie es die Medien und ihre Kunden lieben – nur ist die Wirklichkeit, wie meistens, sehr viel komplizierter und sehr viel weniger eindeutig. Ich freue mich schon auf die nächsten Vorträge dieser zwei Menschen.


Alotau, Papua-Neuguinea, Sonntag, 5.März

Die Hautfarbe der Menschen hier ist die schönste, die wir je gesehen haben: schokoladenbraun, vielleicht mit einem leichten Schimmer von rotgold. Die Brustknospen der Frauen dunkelbraun; die Busenformen der jungen auch perfekt, Grösse passend zu den meist kleinen, zierlichen Gestalten, zugekaufte Silikonteile sind hier offenbar noch nicht im Angebot. Die Grossmütter haben allerdings nur noch herunterhängende, leere Hauttaschen; Altern scheint hier keine Schande zu sein, sondern ein natürlicher, akzeptabler Vorgang. Zu welchem hier allerdings dick werden nicht zu gehören scheint – ganz im Gegensatz zu anderen, bereits besuchten Ländern.

Diesmal müssen wir ungewöhnlich lange im Queens Room warten, bis unsere Gruppe aufgerufen wird. An Land wird es schnell klar, wieso: statt einer ganzen Flotte grosser Reisecars, wie sonst anderswo, ist hier ein einziger grosser und zwei kleine Busse im Betrieb. Möglicherweise noch nach dem Zweiten Weltkrieg hiergelassen, entweder von der australischen oder von der japanischen Armee, die sich hier heftige Kämpfe geboten haben.


ZEHN

Zu unseren Ehren wird ein Mini-Kulturfestival veranstaltet. Es gibt kein festes Programm. Es treten viele Tanz- und Gesanggruppen auf, auf zwei Bühnen, eine im Freien, zum Glück der grösste Teil unter Bäumen und eine in einem grossen Gebäude, was mit Museum angeschrieben ist, aber sonst keine Ausstellungsstücke enthält. Die Tanzschritte sind relativ einfach, die Grossmütter beherrschen sie einwandfrei, ihre Enkel noch nicht ganz – das jüngste Mädchen schätzt Therese auf drei. Die Männer benehmen sich dabei zum Teil aggressiv-kämpferisch, das gehört wohl dazu. Als traditionelle Musikinstrumente scheint es nur spezielle Trommeln zu geben, die Gitarren dürften erst später hinzugekommen sein.

Auf dem Wasser wird derweil Kanu gefahren. Wer beweglich genug ist, um sie besteigen zu können ohne ins Wasser zu fallen, darf für zehn Dollar eine kurze Runde mitfahren.

Viele verkaufen örtliches Kunsthandwerk, vor allem Holzschnitzereien, zum Teil sehr schön. Therese kauft nur einen kleinen Delphin aus schwarzem Holz. Was es kostet, fragt sie. Fünf Dollar, sagt der Mann. Sie habe aber keine australische Dollar. Aha, Amerika? Dann halt zwei... nein, sagen wir drei. Internationaler Devisenhandel scheint hier noch nicht zum Allgemeinwissen zu gehören: 5 AUD sind 3,85 USD.

Was auffällt: die Menschen sind so was von freundlich, um nicht zu sagen herzlich! Wenn du jemanden anlächelst, wird sofort zurückgelächelt und nicht dieses antrainierte Politiker- und Geschäftsgrinsen, sondern echt. Ich frage mich die ganze Zeit, wie sie wohl unseren Besuch hier empfinden. Ist es eine lästige Pflichtübung, allenfalls gepaart mit der Aussicht auf ein paar Dollares? Wir spüren nicht die geringsten Anzeichen von Neid, Ablehnung, gar Hass, im Gegensatz zum Beispiel zu vielen Karibikinseln – aber Fremdenangst oder gar -Hass ist in Europa auch nicht ganz unbekannt...

Aber empfinden sie Freude, Stolz, dass ein Schiff wir die Queen Elizabeth sie besucht? Ist es ein freudiges Ereignis, oder doch eher lästig? Ich kann das unmöglich einschätzen, die Kulturen sind viel zu unterschiedlich. Es ist schon schwierig genug, wenn man aus Ungarn in die Schweiz kommt oder von da nach Spanien...

Die Queen Elizabeth ist übrigens das erste mal hier. Das nennt sich Maiden Call, es gibt gegenseitig kurze Reden und es werden Geschenke ausgetauscht. Das erfahren wir aber nur durch eine Durchsage des Captains. Vor dem Eingang des Commodore Club sind links und rechts an den Wänden die Gedenktafel von allen Häfen, die das Schiff mal angelaufen hat, angebracht; manche einfach im Stile von „In diesem Hause hat von 1936 bis 1956 Thomas Illés gelebt“, die meisten aber wahre Kunstwerke.

Nebst den drei Bussen gibt es auch noch ein paar neuere Autos, zum Beispiel einige der weltweit allgegenwärtigen Toyota Landcruiser; ich sehe sogar einen Taxi. Das soll zwar heute selbst im ärmsten Land keine Überraschung sein – nur ist die Stadt (wenn man sie als Stadt bezeichnen darf) Alotau mit keiner anderen Ortschaft durch Strassen verbunden, ist nur auf dem Seeweg erreichbar. Oder zu Fuss, über mehrere tausend Meter hohe Berge, mit tiefen, steilen Schluchten dazwischen – und alles Dschungel. Diese Insel ist übrigens die zweitgrösste der Welt nach Grönland, der Staat Papua-Neuguinea nimmt nur die östliche Hälfte ein, die westliche Hälfte gehört zu Indonesien. Durch die Topographie bedingt, leben unzählige Stämme völlig isoliert, teils noch in Steinzeit; es werden 800 verschieden Sprachen gesprochen! Ob es irgendwo noch Kopfjäger und Kannibalen gibt, weiss ich nicht – hier trafen wir keine, resp. es hat sich niemand als solcher geoutet.

Weiter nach Japan, 6-10. März

Fünf Seetage. Montag früh Hafenpräsentation von Kobe. Für da habe ich eine unserer längsten Ausflüge gebucht – die Liste des unbedingt Sehenswerten würde aber für mindestens eine Woche reichen. Einmal mehr müssen wir uns an die mathematische Wahrheit erinnern, dass etwas unendlich mal mehr ist als gar nichts.

Kurz nach zwölf ein weiterer Vortrag des ehemaligen Concorde-Piloten. Er war auch Militärpilot und flog die Harriet, einen Kampfjet, der auch senkrecht starten und landen konnte, was nicht ganz ohne Tücken war. Was er über Technik erzählt hat, verstand ich gut und fand es interessant – aber immer, wenn die englischsprachige Mehrheit im Publikum laut gelacht hat, musste ich passen.

Ansonsten pflegen wir einmal mehr unsere wiederbelebte Erkältungen – lästig!

Am zweiten Seetag – was haben wir heute, Dienstag? – etwa um 18 Uhr überqueren wir einmal mehr den Äquator. Neptun hat wohl keine Lust auf eine weitere Taufzeremonie: er schickt Schauer, die Feier wird abgesagt. Dafür gibt es eine weitere Einladung zum deutschsprachigen Mittagessen. Therese will hin, also gebe ich brav und gehorsam die Anmeldung ab. Ich schulde ihr ja Dankbarkeit, weil sie unter widrigen Umständen auch meinen blauen T-Shirt gewaschen hat, den ich selber zwar ohne weiteres bis Japan weitergetragen hätte, wenn ihre Röntgenaugen nicht irgendwo einen, zwar für harmlose Männeraugen unsichtbaren, aber nichtsdestotrotz fürchterlichen Fleck geortet hätten.

Hat, seis, six – persönlicher Rekord! Ich zähle meine Runden beim Walken in drei Sprachen, seit ich ein-zweimal nicht mehr gewusst habe, wie weit ich bin. Steuerbord und Backbord sehen ja identisch aus, rechts das Meer, links die Stahlwand mit mehr oder weniger Fenstern, grossen Lüftungsgittern, über meinem Kopf die Böden der Rettungsboote, viel Technik, an den breiteren Stellen die zahlreichen Liegestühle. Habe ich aber heute diesen sehr beeindruckenden waagrechten Wasserfall am Heck erst zwei- oder schon dreimal gesehen? Die zwei riesigen Propeller, die unsere viele tausend Tonnen mit zwanzig Knoten vorwärtsbringen, müssen dafür gewaltige Wassermengen nach hinten pumpen. Die Rundstrecke führt direkt darüber hinweg, nur durch eine hohe Reling gesichert – muss für Selbstmordkandidaten unwiderstehlich sein; zum Glück gibt es nicht viele davon an Bord, sonst wären solche Stellen vergittert oder verglast. Es reichen aber schon weniger düstere Gedanken, um mit der Zählung der Runden durcheinander zu geraten.

Es waren heute fast ideale Verhältnisse: Da es in der Nacht und am frühen Morgen geregnet hat, haben sich erst wenige Menschen hinausgewagt, auf den Liegestühlen gab es ja auch noch keine Polster. Temperatur „nur“ 25 Grad, nur wenig Wind. Die ständig anwesenden Rostklopfer und Anstreicher sowie der eine Fensterputzer liessen sich gut umgehen.

Jetzt muss ich aber schnell was trinken gehen – ein bisschen geschwitzt habe ich ja – und danach ins Theater: Hafenpräsentation Busan. Der Mensch, der diese Vorträge neuerdings hält, spricht ein gut verständliches Englisch.

Aber zurück zu meinem Rekord: Gegen Frauenpower habe ich natürlich keine Chance. Die Damen in Pink machen heute, anlässlich des Frauentages, zehn Runden, entsprechend fünf Kilometer. Sie sind mehr oder weniger rosa gekleidet, an den meisten hängen irgendwo auch ein paar rosa Luftballons. Ausser an einem der mitlaufenden Männern, er trägt zwei unter seinem T-Shirt, was jede Silikonträgerin vor Neid erblassen lassen muss. Ich versuche zu fotografieren, hoffe, Therese auch zu erwischen. Ihre sonst eher lächerliche rosa Pyjama mit dem depperten Hundeportrait auf der Brust kommt endlich richtig zur Geltung. Sie muss geradezu prophetische Gaben gehabt haben, als sie das komische Stück erworben hat.

Was mich von jenen Schreibern unterscheidet, die es wirklich können, ist unter Anderen, dass ihre Geschichten den Leser immer mehr in ihren Bann ziehen. Daniel Silva, den ich erst hier, zufällig, entdeckt habe, kann das auch. Den Nachmittag verbringe ich also mit seinem vorläufig letzten Buch. Es gelingt mir, noch rechtzeitig fertig zu werden, um ein neues suchen zu gehen. Es ist 18:15 Uhr, die Bibliothek schliesst um 19:00...

... dachte ich. Ist aber schon geschlossen. Genauer gesagt, nur die Bücherschränke sind geschlossen und es ist keine Bibliothekarin anwesend. Was natürlich aufs gleiche rauskommt. Also zurück in die Kabine, um das Tagesprogramm zu konsultieren. Gestern war sie von 9 bis 19 Uhr offen. Heute von 9 bis 18. Und morgen? Das weiss man erst morgen. Nicht nur anderswo ist alles anders, überall ist alles anders, jeden Tag.

Donnerstag vormittag haben wir gleich zwei Vorträge. Zuerst Hafenpräsentation Hiroshima. Da stellt Therese fest, dass ich den falschen Landausflug gebucht habe. Ja, klar! Der für 170 Dollar fände ich auch schöner, statt für 70. Bei über dreissig Landausflügen jeweils die schönste zu nehmen, für „nur“ einen Hunderten mehr pro Person, das würde... Ja, aber... jene, die sie lieber machen würde, kostet nur vier Dollar mehr. Ich schlage vor, sie soll ihren umbuchen, ich meinen aber nicht. Geht doch!

Der nachfolgender Vortrag hat keine so tiefgreifende Auswirkungen auf unser Ehefrieden: einmal mehr virtueller Besuch auf der Brücke. Captain Aseem Hashmi – vielleicht kann ich mir den Namen noch vor Teneriffa merken – fragt einleitend, ob jemand schon das letzte mal dabei gewesen ist. Einige heben die Hand. „Gut, es sind nicht viele, dann kann ich die gleichen Witze bringen.“ Das technisch-nautische verstehe ich nach wie vor, die Witze leider nach wie vor nicht, bis auf die rote uns grüne Socken.

Die nächsten zwei Programmpunkte finden im Britannia Restaurant statt. Zuerst deutschsprachiges Mittagessen. Wir haben Glück mit unserer Tischrunde. Eine Frau sagt, dies sei ihre 47-ste Kreuzfahrt. Ihre liebste Reederei sei die Holland-America-Line. Der Mann neben mir ist ursprünglich Hamburger, lebt aber seit 57 Jahren nicht mehr da. Eine Zeit lang lebte er in Südafrika, nun seit 22 Jahren in Australien. Alle sind sich einig, dass die Australier und erst recht die Neuseeländer sehr freundliche, hilfsbereite Menschen sind, es sei oder wäre schön, da zu leben – wenn es nur nicht so arg abgelegen wäre. Will man doch mal Old Europe oder Amerika besuchen, sind das immer mindestens zwanzigstündige Flüge. Vom Preisniveau wird kein Wort verloren – von Geld spricht man nicht, das hat man. Für uns wäre das durchaus ein weiterer, wichtiger Punkt.

Kaum ist die Mittagsrunde aufgehoben, „müssen“ wir wieder in das Britannia: wir sind zu einer Weindegustation eingeladen. Es werden vier argentinische Weine vorgestellt, zwei weisse und zwei rote. Es wird natürlich viel von roten Beeren, Zitrusfrüchten, Mango und Vanille geredet wie immer – wir trinken gerne Wein und können durchaus gute von weniger guten unterscheiden, aber diesen Rotebeerenmangovanillequatsch haben bis jetzt weder wir, noch jemand aus unserem ähnlich gestrickten Freundeskreis herausgespürt. Wir erfahren aber auch interessanteres. Zum Beispiel, dass diese Weine auf den höchstgelegenen Weingütern der Welt produziert werden: weisse bis auf 1500, rote sogar bis 3000 Meter. Ausserdem, dass diese Gebiete fernab jeglicher Industrie, Autobahnen, Grossstädten und ähnlichen Luftverpestern liegen. Einer unserer vorläufigen Lieblinsweinen ist übrigens auch dabei: Malbec von Aruma. Wir werden ihn in Zukunft vielleicht bewusster geniessen.


ELF

Das Wetter, die See sind inzwischen rauher geworden. Von draussen kommen mehr oder weniger ständige, nicht überhörbare Klopfgeräusche. Sie wollten zwar heute die Kabinenfenster putzen, aber doch nicht bei diesem Wetter? Es ist auch kein Mensch draussen. Nach einigem Hin und Her geht Therese zum Purser’s Desk. Sie schicken jemanden. Eine Dame mit goldenen Streifen kommt. Sie schaut das Rettungsboot vor unserem Fenster an. Das sei in Ordnung so, es bewegt sich natürlich ein bisschen, das müsse aber so sein, wenn es nicht elastisch wäre, würde es brechen. Soviel Reste habe ich noch von meinem Ingenierwissen. Zum Beispiel Flugzeugflügel. Die wackeln auch bei Böen, was jene Minderheit der Menschen, die Augen im Kopf hat, manchmal ängstigt – ja, dass muss so sein, das wirkt wie Federung. Klopfgeräusche gehören zwar definitiv nicht dazu...

Nach dem Nachtessen herrscht wieder relative Ruhe. Hat der Seegang abgenommen? Günstigeres Wellenbild? Am nächsten Morgen glauben wir beide, an einer bestimmten Stelle der Aufhängung des Tenders einen Holzklotz zu sehen, der gestern nicht da war. Tja, „ach du Scheisse, gut, dass sie es gemerkt haben“ liegt wohl nicht drin. Passagiere müssen wie kleine Kinder behandelt werden: „Es ist alles in Ordnung, Kleines, schlaf jetzt“ – und dann bringt man es, unbemerkt, in Ordnung.


Japan

Samstag, 11. März, Naha (315.000 Einwohner), Hauptstadt der Insel und Präfektur Okinawa.

Okinawa und die umliegenden 55 Inseln gehören erst seit 1879 zu Japan, vorher waren sie, 450 Jahre lang, das Königreich Ryukyu. Kultur und Sprache unterscheiden sich auch vom Japanischen, wovon wir allerdings nichts merken.

Im Kreuzfahrtterminal bekommen wir unsere Pässe zurück und absolvieren zügig die Einreiseformalitäten; selbst Thereses Fingerabdrücke werden problemlos registriert; wir dürften drei Monate in Japan bleiben. Was wir natürlich nicht vorhaben – hoffen, dass der Regen schon vorher aufhört; heute allerdings noch nicht.

Wir fahren mit dem Bus zum originalgetreu wiederaufgebauten Schloss Shuri, ehemals Sitz der Ryukyu-Könige. Es geht vom bedecktem Busparkplatz zuerst über Rolltreppen, dann über normale Treppen hoch, durch mehrere Tore, die alle ihre Bedeutung haben, die unsere Führerin jeweils ausführlich erklärt. Sie werden meistens von zwei Löwen – aus Stein, keine lebendigen – bewacht. Der eine hat seinen Maul offen, heisst somit die Besucher willkommen, während der andere mit geschlossenem Maul das Glück zu behalten trachtet. Die Chinesen hatten hier lange Zeit auch grossen Einfluss, von ihnen stammen die Drachen. Sie haben jeweils vier Krallen. Jene in China sind höherrangig und haben fünf Krallen, während jene im übrigen Japan aber nur noch drei haben.

Im eigentlichen Schloss müssen die Schuhe ausgezogen werden. Private Räume, selbst bessere Restaurants und traditionelle Hotels, werden in Japan, wie auch in Korea, nie mit Strassenschuhen betreten. Das hält schon mal viel Schmutz und Nässe draussen. Ausserdem besteht in Wohnräumen der Bodenbelag häufig aus Tatami, weich unterfütterten Reisstrohmatten, die durch Schuhe Schaden nehmen würden. Therese ist sehr beeindruckt von der Innenarchitektur. Vereinfacht gesagt besteht sie aus nichts, das aber in höchster Qualität. Sehr viel schönes, schön verarbeitetes Holz, statt Fenster lichtdurchlässiges Reispapier. Dass man beim Essen oder auch Tee trinken auf dem Boden, vielleicht auf einem Kissen sitzt, war für meine steifen, europäischen Gliedmassen allerdings schon vor 37 Jahren nicht ganz problemlos. Nur der König hatte einen vergoldeten Stuhl, den wir bewundern dürfen; er kostet so viel, wie zwei der teuersten Toyotas, sagt unsere Führerin mehrmals.

Wieder im Stadtzentrum, führt sie uns durch etwa die Hälfte der wichtigsten Einkaufsstrasse, Kokusai-dori und da in eine grosse, traditionelle Markthalle. An einem Stand dürfen wir leicht säuerlich eingelegte Meeresalgen probieren – sehr lecker! Wie lecker die unzähligen anderen Sachen schmecken, die an mehreren Ständen angeboten werden, können wir leider nur ahnen – und auch, woraus sie bestehen. Woraus das berühmte, wunderbar marmorierte Fleisch besteht, ist natürlich klar: aus Kobe-Rindern. Weniger klar ist, wer die bezahlen kann: gar nicht so riesige Steaks werden von fünf bis achttausend Yen angeboten, also etwas weniger als 50 bis 80 Euro. Für einen Koberind-diner müsse man etwa 300 Dollar rechnen, sagt die Führerin – pro Person, fügt sie hinzu.

Das Angebot auf dem Fischmarkt allein rechtfertigt schon diesen Ausflug. Riesige Muscheln mit schneeweissem Fleisch, verschiedene, zum Teil auch ungewöhnlich grosse Krustentiere, unbekannte, auch blaue Fische. Leider haben wir keine eigene Küche...

Mitnehmen können wir aus einem anderen Laden ein Löwenpaar, der eine mit offenem, der andere mit geschlossenem Mund, wie es sich gehört. Sie wiegen sehr viel mehr, als Rindfleisch für den gleichen Preis, ich bin froh, als ich sie endlich im Bus ablegen darf.

Zurück auf dem Schiff essen wir eine schnöde Erbsensuppe.

Am nächsten Tag, Sonntag, sind die Verhältnisse so, wie wir sie gestern gewünscht hätten: leicht bewölkt, 18 Grad. Fühlt sich zwar kühler an, wohl wegen 16 Knoten Ostwind plus Fahrtwind, ab der zweiten Walking-Runde ist es aber warm genug – ideal. Ich mache trotzdem nur fünf Runden. Bis zu dem Vortrag um elf lese ich im Commodore Club. Der Concorde-Harriet-Pilot spricht über Aussichten auf zukünftige Überschallflüge. Das grösste Problem, weshalb die Concorde schliesslich aus dem Verkehr genommen wurde, war weder die Sicherheit noch die Rentabilität, sondern der Lärm. Der Start war extrem laut, dazu kam auch noch der Überschallknall. Verschiedene Firmen arbeiten seit vielen Jahren daran. Wahrscheinlich wird es in absehbarer Zeit kleinere Überschall-Passagierjets geben für zahlungskräftige Reisende, die es sehr eilig haben – bzw. Firmenjets für die noch zahlungskräftigere. Was es wahrscheinlich nie geben wird: kommerzielle Flüge auf Erdumlaufbahn. Technisch wäre es zwar möglich, aber nur bei extremen körperlichen Belastungen für die Reisenden – es gibt nicht genug Multimillionäre oder Spitzenmanager resp. -Politiker mit dem Zeug zum Astronauten.
Wir setzen unsere Reise im niedrigen Unterschallbereich fort. Morgen ganz früh werden wir in Kobe anlegen. Dort den richtigen Landausflug zu buchen dürfte sehr schwierig sein, sagte unsere gestrige Führerin: es gibt mindestens zehn Ziele, die zu den absoluten Muss einer Japanreise zählen. Ich bin gespannt!

Kobe, 13. März
Die interessantesten „Muss“ liegen alle etwas weiter weg; es gibt erst mal eine längere Busreise, meistens sogar ziemlich schnell über Stadtautobahnen. Die Strassen sind meistens hochgesetzt auf massiven Betonpfeilern, bei grösseren Kreuzungen bis zu vier Ebenen übereinander. Links und rechts moderne Hochhäuser, auf den ersten Blick könnten wir in jeder Grossstadt eines hochentwickelten Landes sein. Nur selten fällt der Blick auf ein traditionelles Dach. Gosse Firmen- und Reklametafel sind natürlich auch, manchmal sogar nur, mit exotischen Zeichen beschriftet – und es herrscht Linksverkehr.

Die Millionenstädte Kobe, Osaka, Kyoto sind zusammengebaut. Unser erster Ziel, Nara, hat auch 300.000 Einwohner und da wird es dann doch etwas ländlicher: bewaldete Hügel. Wir besuchen den Todaiji Tempel in Nara. Es ist das grösste Holzgebäude der Welt. Ursprünglich vor mehr als tausend Jahren erbaut, wurde es mehrmals Opfer von Brand und/oder Erdbeben, wurde vor achthundert und zuletzt dreihundert Jahren wiederaufgebaut, etwas kleiner als ursprünglich, aber immer noch sehr gross. In seinem Inneren befindet sich die weltgrösste Buddhastatue – ob die grösste in einem Innenraum oder die grösste aus Bronze, habe ich nicht genau mitbekommen. Auch die Umgebung ist sehr schön – und es gibt natürlich auch sehr viel Touristen, die Mehrheit Einheimische.

Der Kasuga Taisha Schrein stammt aus dem Jahr 768, wurde seitdem mehr als fünfzig mal neu aufgebaut; das soll der Tradition des Shintoismus entsprechen. Buddhismus und Shintoismus sind die zwei wichtigsten Religionen in Japan. Buddhistishe Kultstätten sind Tempel, shintoistische Schreine. Der Schrein selber ist heute für Besucher gesperrt, es findet eine private Veranstaltung statt. Sie erhalten keine staatliche Unterstützung, sind auf Spenden angewiesen – und wenn einer der wichtigen Spender irgend ein Familienfest veranstalten will... Wir dürfen aber die ersten paar hundert von insgesamt 2000 steinernen Laternen bewundern, links und rechts eines ansteigenden Pfades im Wald. Was die religiöse Bedeutung diese Laternen ist, wissen wir nicht – aber eigentlich weiss ich auch nicht, was die Bedeutung der Kerzen in katholischen Kirchen ist. Wir erfahren nur, dass die Laternen zweimal pro Jahr angezündet werden: am Neujahr und an irgend einem Fest in August. Und auch da gibt es unzählige, zahme, kleine Hirsche.

Inzwischen ist Mittagszeit, ein Western and Japanese style lunch steht auf dem Plan. Ich erwarte eine touristische Massenfütterung – und werde auf das Angenehmste überrascht: Wir (d.h. zwei Busladungen voll Cunard-Reisende) werden in einen sehr schönen, grossen Speisesaal eines Hotels gebeten. Grosse, runde Tische sind aufs vornehmste gedeckt, weisse Tischtücher, Stoffservietten, viel glänzendes Besteck (keine Stäbchen). Zuerst eine kleine, japanische Meerfrüchte-Vorspeise, alles topfrisch, Topqualität, wunderschön angerichtet. Danach ein Consomme, auch vom besten. Hauptgang zwar kein Koberind, nur kobechicken (sagt scherzhaft unsere Führerin) und als Dessert Grünertee-Eis mit etwas dazu. Der Kaffee danach wird zwar in Espressotässchen serviert, ist aber leider von eher nord- als südeuropäischem Stil, ist aber das einzige, wovon ich nicht begeistert bin.


ZWÖLF

Weiter geht es zum Goldenen Pavillon, ein dreistöckiges Bauwerk am Ufer eines Teiches, in dem es sich spiegelt. Es ist tatsächlich mit echtem, reinem Gold beschichtet. Wenn man für Jahrtausende baut, könnte es sogar rentabel sein – alles andere müsste ja von Zeit zu Zeit neu gestrichen werden. Auch da gehört die Umgebung mit zur Attraktion. Es sieht alles wie natürlich entstanden und gewachsen aus – ist aber sorgfältigst gestaltet. Der Waldboden ist bemoost. Therese beobachtet einen Gärtner, der mit einem Messerchen einen Grashalm mit chirurgischer Präzision herausoperiert.

Unsere letzte Station ist – wer hätt’s gedacht – eine Tempelanlage namens Kiyomizu Dera. Sie ist auf einer Anhöhe, wo der Bus nicht hochfahren kann, wir erklimmen sie zu Fuss, durch eine Einkaufsmeile. Es ist die Zeit der Schulreisen, sagt unsere Führerin und wir treffen tatsächlich zahlreiche Schulklassen, die meisten Mädchen und einige der Burschen in traditioneller japanischer Kleidung. Von oben gibt es eine schöne Aussicht auf Kyoto, weather permitting. Das Wetter gestattet es gnädig: am Morgen war es ganz bedeckt mit einigen Regentropfen, jetzt ist es aber zwar dunstig, aber sonnig.

Wieder abwärts Richtung Busparkplatz bewundern wir einen Laden mit traditioneller Keramik. Wir kaufen allerdings weder eine der wunderschönen Vasen für einige tausend, nicht mal eine Schale für einige hundert (bereits umgerechnet, die Yenpreise sind fünf- bis siebenstellig), nur ein paar Postkarten.

Da die Führerin es etwa fünfzehn mal gesagt hat, dass wir bitte unbedingt bis 17:30 Uhr im Bus sein müssen, das Schiff wartet nämlich nicht und deshalb kann der Bus auch nicht warten, schaffen es alle. Kurz vor 19 Uhr fallen wir müde aufs Bett, um uns vor dem Nachtessen etwas zu erholen.

Dienstag ist Seetag. Ich mache nach meinem Morgentee fünf Walking-Runden; es ist nur 12 Grad aber trocken und schwachwindig. Das Schiff ist nun voll Japaner. Sie scheinen es systematisch zu erkunden, sind aber nicht lästig. Ich lese viel, muss wieder ein neues Buch holen. Therese geht um zwei in ein klassisches Konzert: eine japanische Pianistin spielt. Ich habe etwas verpasst, sagt sie, die ist sehr gut; hoffen wir, dass sie noch mehr spielen wird.

Mittwoch, 15. März, Kagoshima
Von dieser Stadt habe ich, wie wohl die meisten Europäer, noch nie gehört. Vamos a ver, schauemermal.

Das Chiran Peace Museum hat auf den ersten Blick nichts mit Frieden zu tun, eher genau mit dem Gegenteil – aber gerade deshalb ist seine Botschaft: nie wieder Krieg! Leider hat sich dies noch (noch?) nicht bei der ganzen Menschheit herumgesprochen. Es geht um die verzweifelte Taktik gegen Ende des Zweiten Weltkrieges namens Tokko, in der übrigen Welt besser bekannt unter dem Namen Kamikaze. Jagdflugzeuge wurden mit schweren Bomben bestückt und stürzten sich auf amerikanische Kriegsschiffe. Es sind Wände voll Porträts diesen jungen Männern ausgestellt, nebst Abschiedsbriefe, meist an die Mutter, und persönliche Gegenstände. Für mich viel interessanter sind die paar ausgestellten Flugzeuge, unter anderem die berühmt-berüchtigte Zero. Sie war, was Wendigkeit und einige Leistungswerte anbelangt, den Amerikanern weit überlegen, weil die Japaner alles auf konsequenten Leichtbau gesetzt, zum Beispiel auf jegliche Panzerung verzichtet hatten.

Hier in Chiran, nahe Kagoshima, gab es eine Flugschule der japanischen Luftwaffe, die gegen Kriegsende in das wichtigste Stützpunkt für die Kamikaze ausgebaut wurde. Sie haben versucht, die Invasion von Okinawa zu verhindern, der einzigen Insel im Japanischen Mutterland, welche die Amerikaner erobert hatten – wie wir wissen, erfolglos. Dort allein starben 100.000 Japaner – zahlenmässig spielen also diese ein-zweitausend junge Männer kaum eine Rolle, aber dennoch...

Und bitte kein Vergleich mit heutigen Selbstmordattentätern! Sie wurden ausschliesslich gegen angreifende, feindliche Kriegsschiffe eingesetzt.

Die nächste Station ist friedlicher: wir besuchen eine ehemalige Samurai-Siedlung, das heisst eigentlich nur ihre schönen Gärten, die Häuser sehen wir nur von aussen. Therese hat gehofft, etwas mehr vom damaligen Leben zu erfahren: Wie haben sie ihr Essen zubereitet? Wie sind sie zu Wasser gekommen? Es ist bekannt, dass sie schon eine hochentwickelte Badekultur hatten, grossen Wert auf Körperhygiene gelegt haben, zu einer Zeit, wo baden in Europa noch als lebensgefährliche Todsünde galt. Die zahlreichen heissen Quellen wurden als beliebte, öffentlich Bäder benutzt – aber die gibt es nicht überall. Wie haben sie es anderswo gemacht? Davon sehen wir nichts – aber die Gärten sind natürlich, wie überall in Japan, sehr schön. Wir sehen sogar erste blühende Kirschbäume!

Ein grösserer Garten, eher Park, ist die dritte Sehenswürdigkeit dieses Tages, mit verschiedenen historischen Bauten: Sengan-en Gardens, Shoko Shuseikan Museum, World Cultural Heritage Site heisst es japanisch.

Dazwischen einmal mehr ein ausgezeichnetes, sehr gepflegtes Mittagessen.

Weil wir nun Japan kurz verlassen, müssen wir persönlich zur Ausreisekontrolle antreten. Es geht sehr schnell und effizient – wenn man hingeht. Was aber offenbar nicht alle kapiert haben, obwohl es immer wieder sowohl schriftlich als auch mündlich mitgeteilt wurde. Es gibt immer wieder japanische Lautsprecherdurchsagen, am Schluss wird noch mehrmals ein Deutscher gesucht. Dreitausend Personen warten auf einen einzigen Deppen!

Am nächsten Morgen kommen wir somit viel später als geplant in Busan an. Dazu kommt, dass „aus technischen Gründen“ statt den vorgesehenen zwei nur ein Gangway benutzt werden kann. Eine stundenlange Warterei beginnt. Der koreanischen Grenzkontrolle können wir keinen Vorwurf machen: ein kurzer Blick auf die Pässe reicht, wir bekommen eine gelbe Landing Card – die Pässe werden für weitere Bearbeitung einbehalten, wir können aber gehen. Bald finden wir unseren Bus.

Der Führer erklärt, dass wegen der Verspätung die Tour geändert werden musste, wir fahren zuerst zum lunch. Sehr schönes Hotel, wir schon in Japan. Das Essen ist aber nach Buffet-System, was wir weniger mögen. Therese ist trotzdem sehr zufrieden, ich weniger – immerhin bekomme ich endlich meinen geliebten Kimchi, was ich vor 37 Jahren kennengelernt habe, aber in Europa fast nirgends zu finden ist – die meisten Nichtkoreaner mögen es gar nicht.

Nächste Station ist der Fischmarkt. Der ist sehr interessant. Manche Fische und einiges anderes Meeresgetier werden lebend angeboten. „Die können sich aber kaum bewegen in den Behältern“, sagt Therese. „Die sind ja auch nicht zum Vergnügen da“, antworte ich, „sondern zum gefressen werden.“ An einem Stand gibt es sogar die hochgiftigen Fugu; ich wusste nicht, dass sie auch in Korea gegessen werden, vielleicht ist es neu hier. Sie dürfen nur von Leuten mit einem besonderen Lizenz verarbeitet werden, trotzdem gibt es jedes Jahr ein paar Tote. Sie schmecken aber wirklich ganz toll, sagt er – wir wollen uns nicht selber davon überzeugen.

Was anschliessend kam, lief unter dem Titel traditioneller Markt, erwies sich aber als Ramsch-Einkaufsmeile – wir hätten gut und gerne darauf verzichten können. Bei der Ansteuerung auf Busan sah die Skyline vielversprechend aus, mir kamen sogar Hafenstädte wie New York, Rio, San Francisco, Sydney in den Sinn – na ja, nicht ganz die Klasse, aber... Aus der Nähe enttäuscht die Stadt allerdings in mehrfacher Hinsicht. Erstens mal fehlen die in allen schönen Städten selbstverständlichen Grünflächen. Die meisten Wolkenkratzer und Hochhäuser sind Wohnsilos; vergleichbare nennt man in der Schweiz Chüngelistall (Kaninchenstall). Unser Führer ist der erste im asiatischen Raum, der erwähnt, dass es vielleicht langsam zu viele Menschen gibt – die Überzeugung haben wir schon lange und hier ist es mehr als klar. 1980, als ich das erste und bis gestern letzte mal in Korea war, gab es 35 Millionen Einwohner; heute sind es, sagt der Führer, 50 Millionen. Ich habe den Eindruck, dass 80% dieser Stadt nach meinem Aufenthalt in diesem Land entstanden ist – sie ist nicht gewachsen, sondern hat gewuchert. Und am Fusse der Wolkenkratzer entweder nichts, oder ebenfalls wuchernde Kommerz.

Wir besuchen ein neueres, rundes Gebäude. Die Lage ist schön, auf einer Klippe direkt am Meer. Aber sonst? Das Gebäude wurde errichtet als Tagungsort – oder sogar für die Gründung? – von APEC, einer asiatischen Freihandelszone, der Konferenzsaal mit dem grossen, runden Tisch ist die Hauptattraktion. Wir verstehen weder, weshalb man für eine Konferenz extra ein neues Gebäude hinstellen musste, noch, was daran für Menschen wie uns sehenswert sein soll.

Die letzte Station versöhnt uns aber dann doch mit dieser Stadt, diesem Ausflug. Es ist eine buddhistische Tempelanlage direkt an einer felsigen Meeresküste. Das ist eine grosse Ausnahme, alle anderen Tempel und Kloster befinden sich irgendwo in den Bergen. Ich habe seinerzeit einige besucht und war sehr beeindruckt – but that’s another story. Gratis ist diese hier nicht zu haben: vom Parkplatz sind es 110 Treppenstufen runter – und natürlich wieder hoch –, stand in der Beschreibung; der Führer sagt, es seien 108, weil... die Begründung habe ich nicht verstanden. Alles freche Lügen: ich zähle 125. Wir sind beide froh, sie in unserem Alter geschafft zu haben.

Der angedrohte heavy traffic jam (Stau) auf dem Rückweg bleibt aus, so bleiben uns fast anderthalb Stunden, um uns vor dem Nachtessen etwas zu erholen – wir haben jede Minute davon nötig.


DREIZEHN

Japan zum zweiten, 17-20. März

Erst mal ein Seetag zur Erholung. Am Morgen Hafenpräsentation Shanghai im Theater. Um 14 Uhr klassisches Konzert: die mehrfach ausgezeichnete japanische Pianistin Maiko Mori, die Therese schon einmal gehört hat. Sie spielt einige Werke von Mozart und Chopin, danach eine Konzertversion eines bekannten japanischen Liedes – angenehme Melodie – und am Schluss eine eigene Komposition: Suite „New York Story“. Wirklich sehr schön!

Hiroshima, 18. März
Den Zweiten Weltkrieg in Europa habe ich als Kind selber erlebt – Ungarn war ja selbst Kriegsschauplatz – die Folgen dieses Krieges haben unser aller Leben nachhaltig geprägt. Den pazifischen Teil, weltgeschichtlich genau so wichtig, kenne ich hingegen nur aus Büchern und Filmen. Nun habe ich aber Gelegenheit, etwas davon quasi auf dem Boden der Tatsachen zu besuchen. Wo es angefangen hat – Pearl Harbour, Hawaii – habe ich inzwischen gesehen. Heute besuche ich den Ort des bitteren Endes.

Es hätte andere Alternativen gegeben, um den Krieg gegen Japan zu beenden. Die USA haben sich für die Atombombe entschieden. Man muss die Gründe nicht unbedingt billigen, kann sie aber verstehen. Hiroshima wurde aus verschiedenen Gründen gewählt: sie hatte die „richtige“ Grösse, es gab kein Kriegsgefangenenlager in der Nähe und sie wurde bis dahin noch nie konventionell bombardiert, man konnte also die Wirkung der Atombombe mit wissenschaftlicher Genauigkeit studieren.

Wie man weiss, übertraf die Wirkung alles bisher vorstellbare: die Stadt wurde buchstäblich ausgelöscht. Bis Ende 1945 gab es 140.000 Todesopfer. Die ersten wurden nicht pulverisiert, sie sind spurlos verdampft. Eigenartigerweise blieb ein Gebäude nahe des Zentrums als ausgebrannte Ruine stehen; es ist heute als Denkmal Unesco-Weltkulturerbe. Dass sie stehengeblieben ist, ist nicht trotz sondern wegen ihrer Nähe zum Zentrum: die Bombe explodierte darüber in 600 Meter Höhe, die Druckwelle traf sie also von oben, dagegen sind Bauten viel widerstandsfähiger; kommt der Druck seitlich, fliegen die Mauern um.

Wir besichtigen sie als erstes, gehen zu Fuss an zwei weiteren, später errichteten Denkmälern vorbei zum Museum. Von dem ist nur die eine Hälfte offen, das andere Gebäude wird noch bis 2018 renoviert. Es gibt viele Fotos, einige Texte, mehr oder weniger noch erkennbare gefundene Gegenstände: zerfetzte Kleidungstücke, untrennbar zusammengeschmolzene kleine Flaschen, kaum identifizierbare Metallklumpen. Die Temperatur nahe des Zentrums betrug 4000 Grad Celsius, da schmelzen alle Metalle, einige verdampfen sogar.

Die Bombe enthielt rund 50 kg spaltbaren Uran 235. Davon sind aber nur 5 kg explodiert. Sobald die Kettenreaktion einsetzt, fängt die Bombe an auseinanderzufliegen und die Kettenreaktion hört wieder auf. Eine der grössten Schwierigkeiten beim Bau einer Atombombe ist zu erreichen, dass das spaltbare Material (Uran 235 oder Plutonium) lange genug zusammenbleibt. Die Wirkung dieser 5 kg entsprach aber auch 16 Kilotonnen, d.h. 16.000 Tonnen TNT, eines der wirksamsten Sprengstoffe. Die Sprengkraft heutiger Wasserstoffbomben wird aber nicht in Kilo-, sondern in Megatonnen gemessen – ein Mega ist tausend Kilo! Was ist von einem Wesen zu halten, das überhaupt in Erwägung zieht, so etwas je zu bauen?

Die erste Hälfte des heutigen Landganges war viel schöner und friedlicher: wir besuchten einen grossen Garten, mit Teich, k&uu

Zugegeben - der Titel ist etwas irreführend. Aber gleich drei typisch ungarische Gerichte kann man genau gleich anfangen:

1. Pörkölt, deutsch, nicht ganz richtig, ungarisches Gulasch genannt.
2. Paprikáskrumpli, d.h. Paprikakartoffeln - billig, schmackhaft, fast vegetarisch.
3. Paprikáscsirke, Paprikahuhn.

Zutaten für alle drei - nur ungefähre Mengenangaben, ich setze Küchen-Grundkenntnisse voraus, ich selber benutze dabei nur Augenmass:

Ein Stück geräucherter, weisser Speck
Je nach Fettmenge, die aus dem Speck entsteht, etwas Speiseöl oder Schweinefett dazu
Pro Person etwa eine halbe mittelgrosse Zwiebel
Salz, Pfeffer aus der Mühle, einige Esslöffel Paprika Edelsüss - nur beste Qualität, nicht zu alt!
Etwas Rotwein zum anlöschen.
Pro Person eine halbe grüne Paprikaschote (Peperoni)

Für 1.
Fleisch, in 1 1/2 bis max. 2 cm grosse Würfeln geschnitten. Vorzugsweise Rind, geht aber auch mit Schwein oder Lamm.
Eine Messerspitze Zimtpulver.

Für 2.
Festkochende Kartoffeln, geschält und in längliche Stücke geschnitten, wie für Salzkartoffel

Für 3.
Hähnchen, in Stücke geschnitten, mit Haut. Eine normalgrosse ist für zwei Personen zu viel, für vier zu wenig; macht lieber mehr, lässt sich gut aufwärmen.
Eine rechte Menge Sauerrahm (saure Sahne, Creme Freche).
Etwas Maizena (Maisstärke).

Speck in kleine Würfel schneiden, in einem grossen Topf auf kleinem Feuer langsam auslassen, leicht bräunen, bis fast nichts mehr da ist.
Kleingehackte Zwiebel hinzufügen und langsam schmoren, bis auch fast nichts mehr da ist. Evtl. Fett oder Öl dazudosieren - es ist kein Schlankheitmenü... Und Geduld: die Zwiebeln sollen etwas Farbe bekommen, aber nicht anbrennen - das dauert.

Nun kommt das Wesentliche rein: Fleisch, Kartoffeln oder Hähnchenstücke. Allseitig etwas anbraten. Pfeffer aus der Mühle.
Salzen, umrühren und dann ein paar Esslöffel Paprika darüberstreuen, wieder umrühren und mit etwas Rotwein ablöschen.
Für 1.: mit dem Paprika zusammen ein bisschen Zimtpulver drüberstreuen.

Nun Deckel drauf und langsam fertig schmoren lassen. Es sollte immer etwas Flüssigkeit drunter sein, aber nicht schwimmen. Bei Bedarf, je nach Geschmack, ein "Glutsch" Wein oder Wasser nachdosieren. Fleisch oder Huhn geben manchmal ziemlich Wasser von sich - dann hast du mindere Qualität erwischt.

Etwa 10 Minuten bevor es weich gegart wird, die in Streifen geschnittene Paprikaschote hinzufügen. Ist nicht unabdingbar, aber gut.

Und nur für Huhn:
Kurz vor Kochende etwas mit Wasser verrührte Maizena zu der Sosse geben und am Schluss vom Feuer nehmen und den Sauerrahm daruntermischen.

Sowohl zu Huhn als auch zum Fleisch ist die Obligatorische Beilage Spätzli, Knöpfli, Spätzle oder wie in deiner Gegend das auch immer heisst.

Und wer die krumpli (Kartoffel) nicht ganz vegetarisch möchte, kann gegen Schluss Würstchen (Wiener, Frankfurter o.Ä.) mitschmoren lassen,

Jóétvágyat! (Guten Appetit)

Und ein Tipp: versucht echten, guten ungarischen Paprika zu bekommen. Grössere Vorräte bleiben im Tiefkühler frisch. Sonst verlieren sie relativ schnell an Aroma und werden bitterlich - wie die minderen Qualität von Anfang an. Zu viel Hitze macht sie auch bitter, drum nur kurz schwenken und dann ablöschen. Und edelsüss ist überhaupt nicht scharf, also keine Angst vor grösseren Mengen. Wer es scharf mag, kann Chilischoten, Sambal Oelek, Harissa vorsichtig dazugeben.

von Sila • Kategorie: KOCHEN - ein KOCHBOCH ensteht

Zitronencreme
Ich bereite diese Creme einen Tag vor dem Essen vor.

7 Eier
250 g Zucker
abgeriebene Schale von 3 Zitronen
3.5 dl Zitronensaft (ca. 7)
2.5 dl Wasser



7 Eier und 250 g Zucker in eine Schüssel geben und schaumig schlagen:



Schale von 3 Zitronen abreiben - aufpassen, dass ihr den weissen Teil unter der Schale nicht hineinreibt, der ist nämlich bitter.



Die Zitronenschale zur Eier/Zuckermischung hinzugeben.



Zitronen ausdrücken und sieben, ca. 3.5 dl plus ca. 2.5 dl kaltes Wasser ebenfalls dazugeben, es sollten 6 dl Flüssigkeit sein.



Alles gut mischen, in eine Pfanne auf kleinem Feuer erhitzen bis kurz vor dem Siedepunkt. Man weiss, wann das so weit ist, wenn der Schaum auf der Creme verschwindet und sie dicker wird. Wenn an die Creme nicht lang genug kocht, wird sie flüssig, wenn man sie zu lange kocht, gibt es Klumpen.



Sieben, damit die Zitronenschale und allfällige Klumpen zurückbleiben.



Unter Rühren abkühlen, bis man sie in eine Servierschale geben und in den Kühlschrank stellen kann,



Am nächsten Tag servieren.

von Thomas • Kategorie: Wie läuft es denn hier im Forum so (zuletzt bearbeitet: 11.12.2017 10:16)

EINS

Das fehlende Stück

Einleitung

Die Vorgeschichte dieser Reise ist die Geschichte meines Lebens.

Geboren bin ich als später Nachkomme eines Nomadenvolkes. Der Drang zum Ortswechsel, die ständige Neugier, was hinter dem Horizont verborgen sein mag, muss fest in meinen Genen programmiert sein. Aber als Kind des 20. Jahrhunderts haben mich statt Pferde eher neuere Fortbewegungsmittel interessiert. Ich lernte zwar erst mit vierzehn Rad fahren, ab achtzehn aber Segelfliegen, Auto, Motorrad und Lastwagen fahren – und steckte aber in einer unüberwindlich scheinenden Sackgasse namens Ostblock fest, eingesperrt hinter dem Eisernen Vorhang. Die Gewissheit, jenes Land nie verlassen zu können, nie selber die unzähligen Wunder der grossen, weiten Welt erleben zu dürfen, war für mich schier unerträglich. Trotzdem fing ich schon mit zwölf Jahren an, einen Flug rund um die Welt zu planen, mit einem Kleinflugzeug. Ein Flug über Sibirien war natürlich weder denkbar noch wünschenswert. Somit wäre die längste Strecke ohne Zwischenlandung San Francisco – Honolulu, 3850 Kilometer. Diese magische Zahl habe ich seit bald siebzig Jahren im Kopf.

1956 öffnete sich unerwartet ein Spalt in jenem Vorhang; ich schlüpfte durch. Wozu ich in meinem angeblichen Heimatland politisch nie zuverlässig genug war, durfte ich als Ausländer in der Schweiz problemlos: ich lernte Motorfliegen. Und Jahre später auch noch Hochseesegeln. Im Gegensatz zu einem bekannten Lied ist nämlich die Freiheit nicht über den Wolken grenzenlos, sondern auf dem unendlichen Meer.

Und dann bin ich, ich weiss nicht wie, plötzlich einundachtzig geworden. Zu alt zum selber fliegen oder segeln – aber immer noch mit meinem angeborenen nomadischen Desinteresse an Wurzeln, sprich Fortbewegungsdrang.

Im Laufe der Jahrzehnte kam ich ostwärts bis nach Korea, Japan, Singapur. Westwärts bis nach Kalifornien und Chile. Fuhr durch den Panama-Kanal. Überquerte den Äquator. Umrundete Kap Hoorn. Besuchte die nördlichste Stadt der Welt, Longyearbyen auf Spitzbergen, wie auch die südlichste, Ushuaia in Patagonien.

Fehlt überhaupt noch etwas?

Richtig! Zwischen der Westküste beider Amerikas auf der einen und Fernost auf der anderen Seite klafft noch eine gewaltige Lücke: der Pazifische oder Stille Ozean, mit jenen magischen 3850 Kilometern im Nordosten, Australien und Neuseeland im Südwesten. Und noch etwas: Einer meiner Namensvetter, er lebte vor rund zweitausend Jahren, hiess Thomas der Ungläubige. In gewisser Hinsicht bin ich ihm ähnlich, ganz überzeugt bin ich meistens nur von Sachen, die ich mit meinen eigenen Sinnen erfahren habe. Ich konnte mich inzwischen davon überzeugen, dass Meerwasser tatsächlich saumässig salzig ist, dass es Berge gibt auf deren Höhen selbst im Hochsommer Schnee liegt, Bauwerke so hoch wie die Berge meiner Kindheit, und irgendwo steht sogar ein Turm tatsächlich total schief. Aber ist die Erde wirklich rund? Kommt man, wenn man immer Richtung Westen fährt, irgendwann wieder da an, woher man gekommen ist?

Vamos a ver...

Ausserdem sollte endlich mein teurer schwarzer Anzug amortisiert werden.

Ach so...

Was wahrscheinlich einige interessiert, aber niemand zu fragen traut: Was kostet das eigentlich? Könnt ihr euch das leisten?

Nun, die Preise findet man im Internet. Und was das sich leisten anbelangt: Normale Menschen bereisen in jungen Jahren Europa, Indien und die Welt und kaufen sich im reiferen Alter ein anständiges Auto. Wir machen es halt anders. Aber mehr als einmal werden wir es kaum können – es sei denn, zu meinem Hundertsten...

Die Kosten sind aber nicht das Problem. Wie vor jeder grösseren Anschaffung, stellen wir uns erst mal nur zwei Fragen: Wollen wir das wirklich? Und haben wir das Geld? Wenn die Antwort zweimal Ja lautet, geht es weiter – sonst nicht.

Aber dieses „geht es weiter“ hat es in sich! Ein Freund schrieb, wenn ich dies nicht für uns selber organisieren würde, hätte ich einen halben Jahreslohn dafür zu gut. Tja... für einen halben Jahreslohn würde ich es für andere nicht machen – ausser wenn es meine einzige Einnahmequelle wäre.

Erst mal müssen wir aber...


Hinkommen

Um möglichst gleich mit meinen magischen 3850 Kilometern anfangen zu können, sollen die ersten 9365 Kilometer auf unmenschliche Schnelle, mit zwei Verkehrsflugzeugen bewältigt werden; mit dem ersten sogar in die falsche Richtung, weil Cunard keinen Direktflug von Teneriffa nach San Francisco anbietet. So sind es dann, via München, 12.683 km.

Direktflüge ins Ausland gibt es vom Teneriffa Süd. Mit mehr als 50 Kilo Gepäck wäre ein Taxi nicht übertrieben. Liebe Freunde würden uns zwar auch fahren, wir wollen ihnen und der Umwelt das aber nicht zumuten. Wir bekamen aber den Tipp, am Nordflughafen einen Mietwagen zu holen und ihn am nächsten Tag im Süden abzugeben, das kostet nur etwa einen Drittel vom Taxi. Das machen wir. Die Wirklichkeit ist zwar meistens etwas komplizierter als die Theorie. Es regnet zum Beispiel. Der Tank des Mietwagens – ein ganz neuer Opel – ist fast leer. Therese tankt vorsorglich viel zu viel – der nächste Mieter im Süden wird sich freuen über diesen Beitrag zur Tourismusförderung...

Als es dann Ernst wird, ist alles bestens: Wetter ideal. Der befürchtete Stau findet an diesem Morgen nicht statt, oder erst etwas später. Belohnung für meine Hartnäckigkeit, eher eine Stunde zu früh als eine Minute zu spät abzufahren?

TUIfly erlaubt nur 6 Kilo Handgepäck, der Koffer darf aber – gegen Mehrpreis – 25 Kilo wiegen. Ab München dann aber, gemäss internationalem Standard, 23. Also werden wir in München je zwei Kilo umladen müssen – na ja, wir haben ja sonst nichts zu tun. Das Warten am Gepäckkarussell ist für mich das lästigste bei Flugreisen; nicht zuletzt, weil man nie ganz sicher ist, ob das gute Stück überhaupt kommt. Was ich dabei auch nicht verstehe: wieso erscheinen zwei gleichzeitig aufgegebene, gleiche Koffer mit einem gefühlten Zeitabstand von einer halben Stunde?

Ich wollte unbedingt direkt am Flughafen übernachten. Da ich wohl nicht der einzige mit diesem Wunsch bin, haben geschäftstüchtige Hotelketten diese Marktlücke haarscharf erkannt – es sind selten die billigsten... Es wird aber auch etwas geboten für das viele Geld: im Hilton ist alles nicht nur praktisch und gut funktionierend, sondern auch noch schön, das Personal freundlich und kompetent und das Nachtessen hervorragend. Auf das Frühstückbuffet zu 38 Euro pro Person verzichten wir am nächsten Morgen aber trotzdem.

Im Gegensatz zu Frankfurt ist der Flughafen München übersichtlich. Einchecken geht auch konventionell, nicht nur an Automaten – die Dame ist sehr freundlich. Dass unsere Pässe an vier oder fünf Schaltern kontrolliert werden, hat nichts mit bayrischem Übereifer, sondern mit amerikanischer Sicherheitshysterie zu tun – für Abflüge ins Gelobte Land wurde extra das Hochsicherheitsterminal L gebaut; man kommt aber ohne water boarding rein. Noch...

Dass ein zwölfstündiger Flug sehr, sehr ermüdend ist, können wir Lufthansa nicht vorwerfen. Ich habe gerade noch ausreichend Beinraum, wir werden mehr als ausreichend gefüttert und es werden ständig Getränke angeboten, was beim Fliegen wichtig ist, die Luft in der Kabine ist extrem trocken. Das Flugzeug – eine A 340-600 – ist neuwertig und angenehm leise, sogar die Babys schreien diesmal nur sporadisch und weiter weg. Interessant: Eigentlich ist es ein Tagesflug. Die kürzeste Strecke (Grosskreis) führt aber über Island und Grönland und da tauchen wir zwischen langen Dämmerungsphasen kurz in die Polarnacht ein. In San Francisco ist es dann richtig Abend: wir landen etwa um halb sieben – für unsere innere Uhr halb drei in der Nacht. Wie fühlen uns dementsprechend. Die amerikanische Einreisekontrolle dauert natürlich trotz automatischer Passkontrolle und erleichterter Wiedereinreise mit ESTA (Internet-Visum) fast eine Stunde.

Die Organisation von Cunard ist wie üblich perfekt. Um 22 Uhr Ortszeit fallen wir todmüde ins riesige Hotelbett – geben aber um vier Uhr morgens weitere Schlafversuche auf. Für uns ist das immer noch späterer Vormittag. Therese turnt, ich schreibe... Das echte amerikanische Frühstücksbuffet öffnet erst um acht – worauf vier Stunden zu warten sich allerdings als ziemlich dürftiges Preis-Leistungs-Verhältnis erweist. Dieses Holiday Inn macht auch sonst einen eher antiquierten Eindruck, ohne schön alt zu sein; sogar der Bus, der uns gestern vom Flughafen hier hin gebracht hat, dürfte die erste Million Meilen hinter sich gehabt haben.

Heute läuft es aber cunardmässig. Der Bus ist höchste Klasse. Wir fahren am berühmten Fisherman’s Wharf vorbei, direkt danach ist der Kreuzfahrtterminal. Wir werden genau instruiert, was wir bereit halten müssen, stehen nur kurz in der Schlange, es sind genug Schalter da. Die Dame liest elektronisch unsere Pässe, glaubt ungeprüft, dass wir alle erforderlichen Visa haben – gentlemen lügen ja nie –, registriert meine Kreditkarte, fotografiert uns und gibt uns dann die für die nächsten drei Monate wichtigste Plastikkarte: sie dient als Ausweis, Kabinenschlüssel und Zahlungsmittel. Das Foto ist nicht auf der Karte, sondern im Computer an Bord gespeichert, so kommt niemand mit einer gestohlenen oder gefundenen Karte durch. Noch eine Sicherheitskontrolle – Metalldetektor, Röntgen fürs Handgepäck – und dann: Welcome on board!

Es ist der 4. Februar 2017.


ZWEI

Endlich wieder unterwegs

Nach 69 Jahren der Planung bin ich also endlich seit ein paar Tagen unterwegs! Zwar weder mit einem Kleinflugzeug, noch einer Segelyacht, wichtig ist aber der Zweck, nicht die Mittel – und genau so wichtig ist erstens, dass ich es nicht allein erleben muss, sondern mit Therese zusammen darf und zweitens, dass es nun in menschengerechtem Tempo weitergeht, damit die Seele mithalten kann. Immer dahin, wo die Sonne untergeht. Wo geht sie denn hin, wenn sie untergeht? Ist es wirklich möglich, dass wir so schliesslich wieder unsere Insel finden? Sie ist doch irgendwo hinter uns – ist sie gleichzeitig auch vor uns? Wird sie noch die gleiche sein? Werden wir noch die gleichen sein?

Statt solche philosophische Fragen zu beantworten sollten wir uns aber vielleicht erst einmal mit unserem Zuhause für die nächsten drei Monate vertraut machen. Es ist die Queen Elizabeth, das dritte Schiff dieses Namens der Cunard Line, das dritte, neueste der gegenwärtig aktiven und auch das dritte dieser alten, renommierten Reederei, auf der wir eine Weile mitfahren dürfen.

Ob draussen Tag oder Nacht ist, ob wir fahren oder an der Pier oder vor Anker liegen, wollten wir sehen, ohne die Kabine verlassen zu müssen. Wir wählten diesmal eine Aussenkabine mit eingeschränkter Sicht, nämlich durch eines der Rettungsboote, auf Deck 4. Die Einrichtung kennen wir schon von Queen Victoria und Queen Mary 2 her: riesiges, bequemes Doppelbett, ausreichend Schrankraum, wenn auch etwas weniger als die letzten zwei mal; anscheinend haben Balkonkabinen auch sonst etwas mehr Platz, für diese Reise wäre uns der Preisunterschied aber doch zu gross. Kleines aber zweckmässiges Bad mit Dusche, ein Sofa mit Salontisch, Kühlschrank, kleiner Schreibtisch – wir vermissen nichts.

Fürs Nachtessen haben wir für die ganze Reise einen festen Platz im Britannia Restaurant. Es ist auf zwei Ebenen, Deck 2 und 3, ganz achtern; wir sitzen oben an einem Sechsertisch und haben die Spätschicht, also ab halb neun, wie zu Hause. Wir könnten hier auch frühstücken und zu Mittag essen, erfahrungsgemäss gehen wir aber für die übrigen Mahlzeiten lieber ins Lido Restaurant, mit Selbstbedienung, auf Deck 9 – und üben uns da in Disziplin, man findet hier nämlich 24 Stunden pro Tag immer etwas Verlockendes. Es ist aber nicht weiter schwierig, sich gar nicht erst der Versuchung auszusetzen: das Promenadendeck, wo man um das ganze Schiff spazieren, walken oder joggen, aber auch auf einem Liegestuhl lesen kann, ist auf Deck 3, das Royal Court Theater ganz vorne auf Deck 1, 2 und 3. Ebenfalls drei Decks hoch ist, etwa mittschiffs, die Grand Lobby – will man eine Auskunft haben, Geld wechseln, sucht man Einkaufsläden, muss man erst mal da hin. Gleich daneben, an Backbord, ist die Bibliothek, auch eine wichtige Einrichtung für uns.

Den Rest werden wir wohl nach und nach erkunden: Commodore Club auf Deck 10 vorne – zum Lesen wenn es draussen zu kalt, windig oder nass ist – und darunter diverse Fitnesseinrichtungen und -Programme. Im Queens Room, Deck 2 mittschiffs, findet unter anderen der Nachmittagstee statt. Abends wird da getanzt, was zu Thereses Bedauern nach wie vor meine Sache nicht ist; ich schaue aber gerne zu: einige können es gut, das ist schön und andere gar nicht, das ist lustig. Meistens gibt es Livemusik, aus einer Epoche, wo es noch Klänge und nicht nur Krach gab.


Frauenpower

Zu diesem Thema gibt es viele Bücher aus kompetenterer Feder als meinem Laptop, aus aktuellem Anlass muss ich ihm aber auch ein paar Zeilen widmen. Angefangen hat es schon auf dem langen Flug. Eine Frauenstimme aus dem Lautsprecher verkündete, die Sprecherin sei First Officer (salopp Copilot genannt) und sie werde nun bald in San Francisco landen. Auf dem Schiff begrüsste uns diesmal kein Kabinensteward sondern eine Stewardess namens Shirley. Und dann stellte es sich raus, dass sogar der Captain dieses Riesenkahns weiblichen Geschlechtes ist! Thereses Begeisterung kannte nun keine Grenzen mehr! Sie gehört ja der Generation an, die in der Schweiz kein Stimm- und Wahlrecht hatte und als Ehefrau nicht mal ein eigenes Bankkonto eröffnen durfte. Sie ging auch immer wieder an Demos und kann es kaum fassen zu erleben, dass endlich Frauen auch in solchen „Männerberufen“ Karriere machen können.

Wo es aber wirklich drauf ankommt, hört der Spass doch noch auf: der Chefkoch ist „natürlich“ ein Mann. Ob deshalb auch zwei Ärztinnen mit an Bord sind?

Sie wollte sich aber vergewissern, dass „der“ Kapitän wirklich eine „die“ ist. Im Tagesprogramm steht, dass heute Sonntag ein traditioneller Schiffsgottesdienst stattfindet, unter der Leitung unserer obersten Chefin. Ja, sie sei tatsächlich eine Frau, berichtet sie, nicht mehr ganz jung, so um die fünfzig – logo, sage ich, es brauche schon ein paar Jahre Erfahrung, bis man so ein Schiff bekommt.

Mich hat der Gottesdienst selbst unter weiblicher Leitung nicht sonderlich interessiert, so ging ich lieber zum Purser’s Desk, um unsere Anmeldung für ein Mittagessen für Deutschsprachige abzugeben und auch einen kleinen, zwar nicht sehr wertvoll aussehenden Ohrring, den wir unter dem Bett gefunden haben, als wir die leeren Koffer da verstaut haben. Die sind nämlich, nachdem wir sie noch beim Hotel selber zum Bus geschafft haben, gelegentlich vor unsere Kabinentür hingestellt worden – allerdings durch starke Männerhände.


San Francisco – Honolulu 5. – 9. Februar

Und nun vier Tage auf See bis Honolulu, Hawaii, 2079 Seemeilen – Entfernungen rechnen wir die nächsten drei Monate in Seemeilen, wie schon in einem früheren Leben sechs Jahre lang.

Dritte Kreuzfahrt in drei Jahren – es ist zwar nicht mehr alles so sensationell wie das erste mal, dafür kennen wir uns von Anfang an viel besser aus, verlaufen uns weniger, finden schneller raus was, wann, wo. So nehmen wir gleich am ersten Morgen die vorgesehenen Walking-Runden in Angriff – brechen allerdings bereits nach einer Runde (etwas mehr als 500 Meter) ab, wegen zu starkem, saukaltem, salzwasserhaltigem Wind. Als Anfänger hätte ich auch nicht auf Anhieb gewusst, wo ich an diesen zwölf, je dreihundert Meter langen Decks eine Schale Müsli finde, zwecks Wiederherstellung meiner reisebedingt etwas durcheinandergeratenen Verdauungsfunktionen. Da kann Therese auch ein Messer klauen, weil sie nach den allerneuesten Erkenntnissen der Wissenschaft die Wirkung irgendeines natürlichen Cholesterinsenkers durch die tägliche Einnahme eines Apfels unterstützen muss. Sie findet auch raus, dass heute eine deutschsprachige Schiffsführung stattfindet. Viel neues kann uns die Dame zwar nicht zeigen, da und dort bekommen wir aber doch ergänzende Info – man lernt ja nie aus. Am Schluss gibt sie uns sogar noch eine durch den Chefingenieur verfasste Beschreibung der wichtigsten technischen Einrichtungen. So erfahre ich endlich, wonach ich lange erfolglos im Internet gesucht habe: mit welcher Stromart die elektrischen Antriebsmotoren betrieben werden und wie ihre Leistungsregelung funktioniert. Die Übersetzung von Englisch ins Deutsch muss allerdings Frau Google oder sonst jemand, der von Technik keine Ahnung hat, erstellt haben, was den Vorteil hat, dass mir die paar Seiten nebenbei Heuteshow und Satiregipfel ersetzen.

Während ich unseren übernächsten Landausflug umbuche, weil Therese etwas viel interessanteres entdeckt hat, geht sie zu einer Turnstunde. Ausser ihr erscheint da aber heute niemand, sie kann sich aber schlau machen lassen, was das Wort „kostenpflichtig“ auf dem Infoblatt konkret bedeutet: die „Klasse“ koste 36 Dollar. Was heisst das, „die Klasse“, für wie lange? Für die ganze Reise? Oder pro Teilstrecke? Nein, 36 Dollar pro Person für jeweils 30 Minuten! Sie fragt auf ihre direkte Art nach, ob das ernst zu nehmen sei. Yes, sagt der Trainer – sie könne natürlich auch individuelle Trainingsstunden buchen. Was das kosten würde, will sie gar nicht wissen; sie sagt nur, dass sie Rückenprobleme habe, kennt aber ihre Übungen ohne Hilfe genau, sie wüsste nur nicht, wo sie sie machen könnte. Ach, sie könne doch jederzeit eine Matte nehmen und sie irgendwo, wo gerade Platz ist, hinlegen, da sagt kein Mensch was. Na also!

Am zweiten Morgen – ist es wirklich erst der zweite? – bin ich immer noch ungewöhnlich früh wach. Dies könnte sogar zu Dauererscheinung werden, wir fahren ja die nächsten drei Monate immer gegen Westen – go west, young man, hiess es schon in den Pionierzeiten Amerikas – müssen also alle paar Tage die Uhren um eine Stunde zurücksetzen. Wir werden noch unseren Tagesrhythmus finden müssen. Die heutige Versuchsvariante: kurz nach sechs kam ich ins Lido Restaurant hoch, machte mir einen guten, starken Tee – wieso soll ich in der Kabine unseren teuren Wasser trinken, wenn hier alles „gratis“ ist? – und nun schreibe ich. Draussen war gerade noch finstere Nacht, jetzt ist der Himmel aber bereits eine Spur heller grau als das Wasser. Therese will um sieben zum Gruppen-Morgenturnen gehen. Irgendeine Veranstaltung um diese Zeit wäre auf Teneriffa völlig undenkbar, sagte sie als sie ging, auch schon einigermassen wach. „Das ist doch egal, wir sind nicht auf Teneriffa“, erwiderte ich. Um acht treffen wir uns wieder in der Kabine und gehen Müsli essen, dann sehen wir weiter.

Ich glaube, ich mache noch einen Tee.

Und nun, am dritten Abend, ist es wieder soweit: Ich bin angezogen, wie ein... wer zieht sich eigentlich so an? ein Beerdigungsunternehmer? nein, der hat wahrscheinlich auch eine schwarze Krawatte an, meine ist dunkelrot... na, egal, Therese hat das letztemal gemeint, ich sei schön so. Vor dem Nachtessen sind wir und alle anderen, die in San Francisco zugestiegen sind, von der Kapitänin Inger Klein Thorhauge zu einem Willkommens-Cocktail eingeladen, wo es erfahrungsgemäss zwar keine Cocktails, sondern Sekt – schweizerisch Chlöpfmoscht – geben wird.

Es gibt zwei Schlangen: Für diese, die zusammen mit Frau Kapitän fotografiert werden wollen, eine lange, langsame und für jene, die sich mit einem warmen Händedruck eines anderen Offiziers zufrieden geben, eine etwas kürzere, schnellere. Die Wahl meiner Frauenrechtlerin ist wohl klar... Nun, die Dame kann nicht nur ein dreihundert Meter langes Schiff sicher von A nach B führen und nebenbei einer tausendköpfigen Crew und zweitausend Passagieren mächtiger als Gott vorstehen. Es ist ja schon auf einer kleinen Segelyacht so: zuoberst in der Hierarchie steht der Skipper. Darunter ist der liebe Gott. Und weit, weiter unten kommen alle anderen. Anders wird man mit den mächtigsten aller Mächte, der Natur und der unendlichen See, nicht fertig. Nun, unsere Oberste Dame kann auch noch, mit einem strahlenden Lächeln, das Gefühl vermitteln, es sei ein Höhepunkt ihrer Karriere, ausgerechnet uns auf ihrem Schiff dabei zu haben. Ich bin beeindruckt.


DREI

Freud und Leid...

Zuerst der Ärger: wir bekommen ein Brief, dass Therese entweder kein australisches Visum hat oder ihr Antrag war fehlerhaft. Nach dem deutschen Mittagessen gehe ich also zum Purser’s Desk. Es ist das altbekannte Problem im Computerzeitalter. Ob man einen Tagesausflug oder eine Weltreise bucht, oder eben ein Visum beantragt, gibt es zwei Bedingungen, die unbedingt erfüllt werden müssen, die sich aber gegenseitig ausschliessen: 1. Der Name muss genau so geschrieben werden, wie er im Pass steht. 2. Kein Eintrag (Name, Geburtsort usw.) darf „ungültige Zeichen“ enthalten. Und welche Zeichen als ungültig zurückgewiesen werden, entscheidet das englische Alphabet – und es enthält weder c mit Schwänzchen, noch n mit Welle und auch keinen ä, ö, ü. Meines Täubchens Name – nicht nur „Täubchen“ sondern auch Häfliger – enthält aber nun mal ein ä. Woraus, je nach Software oder Zufall, entweder ein a (diesmal in Australien), oder ein ae (bei Cunard) wird. Ich hoffe, die freundliche Dame kann dies in Ordnung bringen. Es wäre dumm, wenn die Queen Elizabeth wegen einem ä nicht in Australien anlegen dürfte – oder nur, wenn Therese mit Handschellen in der Bilge eingesperrt wird.

Nun aber die Freude: Als wir vom Nachtessen zurückkommen, ist es in der Kabine zunächst dunkel – sonst macht Shirley immer, wenn sie unser Bett für die Nachtruhe vorbereitet, alle Lichter an. Als es uns endlich gelingt, Licht ins Dunkel zu bringen – es gibt einen etwas eigenwilligen Hauptschalter – ist das Bett voller Geschenke. Ich bekomme eine Mütze (schweizerisch Dächlikappe), Therese eine schöne, praktische Tragtasche, nebst je einer kleinen Weltkarte mit unserer Reiseroute drauf.

Am 7. Februar, den dritten Tag, bin ich immer noch abartig früh wach. Tee trinken, Wetter begutachten: an die 40 Knoten Wind fast genau auf die Nase, mit unserer Fahrt von 19 Knoten ergibt das fast 60 Knoten scheinbaren Wind, also empfundene Orkanstärke – Walking an Deck weniger empfehlenswert. Wir gehen gelegentlich zusammen etwas essen, Therese danach in eine spezielle Turnstunde, die auf Stühlen sitzend stattfindet. Im Commodore Club wird die Bar erst eingerichtet, es ist also noch kein Kaffe zu haben. In der Kabine ist gerade Shirley tätig. So komme ich auf die Idee, statt draussen auf Deck 3 hier drin auf 4 in diesem schier endlosen Korridor zu marschieren, bis sie fertig ist. Landschaftlich gibt das zwar nicht viel her, Bewegung ist aber Bewegung. Zum Glück ist sie nach zwei und halb Runden fertig.

Um 11 Uhr besuchen wir eine Englischstunde bei einer der zwei deutschen Betreuerinnen. Sie heisst Vanessa; Sprachen lerne ich ja immer bei einer Vanessa. Das Niveau ist relativ niedrig, trotzdem lernen wir etwas dazu – oder etwas wieder, was wir schon mal gewusst haben.

Mittwoch, 8. Februar, vierter Tag auf See. Die Sonne fängt an sich zu zeigen, der Wind hat auf Nordwest gedreht und ist etwas abgeflaut, „nur“ noch etwa 30 Knoten. Ob ich mal eine Runde drehen kann? Vamos a ver.

Hawaii, 9-10. Februar

Wie immer noch üblich, werde ich sehr früh wach. Kurz nach sechs stehe ich auch auf, mache eine Katzenwäsche, ziehe mich an und gehe auf das oberste für Passagiere zugängliche Deck. Kurz vor Sonnenaufgang ist es sagenhaft schön. An Steuerbord bereits die Inselkette: Berge, einige beleuchtete Ortschaften, Morgenröte. Glatte See, im Wesentlichen nur Fahrtwind. Einige wenige andere Passagiere – wenn das Schiff gross genug ist, findet man immer irgendwo ganz ruhige Orte. Nach einer Weile gehe ich runter ins Lido-Restaurant. Es steht ein längerer Landausflug auf dem Plan, es muss also ein richtiges english breakfast sein: Rühreier, Würstchen, Speck, weisse Bohnen, Pilze, gegrillte Tomate, Kartoffeln, dazu Grapefruitsaft, danach ein starker Tee – ich nehme immer zwei Beutel – mit einem Schuss Milch.

Noch ein kleiner Rundgang. Inzwischen leuchtet schon die Sonne kräftig. Um 6 Uhr war es 21 Grad, es soll heute schön und trocken bleiben. Zurück in die Kabine. Therese ist wahrscheinlich beim Frühstück, so kann ich ungestört unser Bad benutzen, um es diesmal ganz wohlerzogen auszudrücken – ja, auch Zähne putzen... Irgendwann legen wir, sanft und unbemerkt wie immer, in Honolulu an.

Kurz nach neun müssen wir uns im Queen’s Room einfinden und diesmal auch die Pässe dabei haben. Ich habe sie vorsorglich schon am Abend aus dem Tresor genommen und hoffe, dass nicht der halbe Landgang aus einer amerikanischen Passkontrolle bestehen wird.

Besteht nicht, wir kommen schnell und problemlos zu unserem Bus, der auch pünktlich abfährt. Unser Fahrer und Führer heisst Pedro; er kann gleichzeitig Bus fahren und ununterbrochen reden. Hie und da verstehen wir sogar etwas...

Falls es nicht restlos allen Lesern bekannt sein sollte: Pearl Harbour bei Honolulu war 1941 Heimathafen der amerikanischen Pazifik-Flotte und auch der Ort, wo der Zweite Weltkrieg im Pazifik begann, mit dem Überfall der Japaner am 7. Dezember 1941. Da fahren wir als erstes hin. Wir schauen zwei kleine aber interessante Museen an und dann eine Filmvorführung, wo es kurz erläutert wird, wie es überhaupt dazu gekommen ist und vor allem der Ablauf mit historischen Filmdokumenten (jedenfalls glaube ich nicht, dass es nachgestellte resp. Trickaufnahmen sind) gezeigt wird. Es ist sehr eindrücklich, als der Film fertig ist und die Lichter wieder angehen, herrscht zunächst Grabesstille im Saal, erst nach längerer Zeit stehen die ersten zögerlich auf und gehen schweigend auf den Ausgang zu.

Mit einem grossen Tender bringt uns die US Navy zum Arizona Memorial: zum Wrack des total zerstörten Kriegssschiffes USS Arizona. Es liegt im seichten Gewässer und ist auch letzte Ruhestädte der Besatzung. Darüber ist, in Brückenform, eine Art Denkmal errichtet. Die Namensliste der Gefallenen ist auch viel aussagekräftiger als wenn man nur die Zahl sieht oder hört: insgesamt sind in jenen zwei Stunden 2400 Amerikaner gestorben – und weniger als 100 Japaner.

Wir fahren danach, mit einem kurzen Zwischenhalt, quer durch Honolulu. Es gibt moderne Hochhäuser, ein paar schöne, alte Paläste, nette Grünflächen mit interessanten, exotischen Bäumen und die älteste Chinatown der ganzen Vereinigten Staaten.

Letzte Station ist ein sehr schöner Aussichtspunkt. Die Ähnlichkeit zu dem Anaga-Gebirge auf Teneriffa ist verblüffend, die zwei Insel sind geologisch nahe verwandt, die Vegetation auf Hawaii ist aber noch grüner, üppiger, hat auch noch mehr endemische Arten; es ist die abgelegenste Inselgruppe der ganzen Erde.

Wir sind gerade rechtzeitig zum Nachmittagstee zurück, der oft auch Fünfuhrtee genannt wird, obwohl er hier von halb vier bis halb fünf stattfindet. Cunard hat dazu eine eigene Teesorte kreiert. Es werden dazu kleine salzige und süsse Häppchen gereicht. Wir finden ihn sehr viel bekömmlicher als den germanischen Vorschlaghammer namens Kaffee und Kuchen. Mal abgesehen von den ebenfalls dazugehörenden scones – einmal pro Schiffsreise muss man aber schon mal eine einnehmen, lecker sind diese kleinen Kalorienbomben schon.

Therese war schon einmal im Theater, es gab country and western songs. Für heute hat sie wieder etwas im Programm entdeckt: hula irgendwas, hawaiianische Folklore. Eine Frau und zwei Männer spielen Gitarre und singen, eine Anzahl Mädchen tanzt, die jüngste schätzt Therese auf maximum sieben Jahre, ich etwa zehn. Nette Unterhaltung. Danach bleibt uns noch Zeit bis zum Nachtessen für ein Aperitiv, mit Begleitung durch einen Pianisten.


VIER

Am nächsten morgen werde ich erst um halb sieben Wach; ob meine zeitliche Anpassung Fortschritte macht, werde ich erst in einigen Tagen wirklich wissen. Es gibt ungewöhnliche Geräusche von aussen. Ob gerade unser Anker fällt? Nein, sagt Therese, der ist schon unten – sie war offenbar schon vor mir wach, was sonst auch kaum vorkommt – jetzt lassen sie die Tender runter. (Sie würden bei Bedarf, was wahrscheinlich nie eintreten wird, auch als Rettungsboote dienen.) Einer ist ja direkt vor unserem Fenster.

Nach Morgentoilette und Frühstück fahren wir mit einem an Land. Wir sind auf der Insel Maui. Honolulu liegt auf Oahu, was – das haben wir gestern gelernt – als oh-achu ausgesprochen wird. Der Bus ist wie gestern und hat die gleiche, seltene Eigenschaft: die Lautsprecheranlage ist einwandfrei, wenn wir nicht alles verstehen, liegt es also nicht daran. Aber man muss gar nicht alles verstehen, sowohl der gestrige als der heutige Fahrer redet ununterbrochen – weniger wäre mehr.

Wir fahren entlang der Küste. Die Landschaft ist anders: gestern war sie zum Teil urwaldmässig üppig, heute eher Grasland. Gelegentlich sind wir am Ziel: Maui Ocean Centre. Nebst viel Information über Meeressäuger wie Wale und Delphine sind es vor allem Aquarien; kleine, mittlere, riesige. Einmal mehr bewundern wir die unwahrscheinliche Formen- und Farbenvielfalt von Fischen und anderen Meeresbewohner, manche sind wunderschön, andere eher skurril. Nach einem Drink – wie überall in Amerika zu 80 Prozent aus Eis bestehend – fahren wir wieder mit Bus und Tender nach Hause. Nach dem gestrigen schönen Tag war es heute bedeckt und trüb, am späteren Nachmittag können wir aber eine Weile an der Sonne sitzen. Ich lese mein Buch fertig – die Bösen sind tot, die braven haben überlebt, wie es sich gehört – und hole zwei neue. Unterwegs konsultiere ich noch das heutige Menü; wie üblich, kann man von jeweils je sechs Vorspeisen, Hauptgerichte und Desserts wählen. Ich glaube, ich nehme die chicken noodle soup, danach Salat (das ist zusätzlich, fakultativ), als Hauptgericht den red snapper, einen Fisch; Dessert weiss ich noch nicht.


Von Hawaii nach Samoa, 11-15. Februar

Vier Tage auf See zur Erholung, nach den zwei Tagen Stress und Hektik. Für die Rechengenies unter den werten Lesern: ja, 11 bis 15 sind eigentlich 5... nun, der 14. Februar findet für uns nicht statt. Weg, futsch, gestohlen. So ist das, wenn man reist. Es passieren ungeahnte Sachen. Schon kurz nach sechs Uhr morgens, noch vor dem Frühstück. Frühstücken tue ich ja sonst auch nie... sage ich doch... ungeahnte Sachen... Auch im Restaurant. Ich gehe hoch, lege mein mitgebrachtes Buch auf einen Tisch, gehe Tee machen. Das Lido Restaurant nimmt fast die Hälfte von Deck 9 ein. An Steuerbord und an Backbord sind gegen aussen unzählige Tische und Stühle, gegen Mitte die Buffets. Der Bereich Mittschiffs ist crew only, da sind wohl Küchen, andere Arbeitsbereiche, vielleicht auch Kühlräume. Es gibt aber ein paar Verbindungen, wo zum Beispiel die Tränke ist: Zapfhähne für Säfte und Eistee, Kaffee, Milch, Schubladen mit vielen Teesorten, Heisswasserspender, Zubehör. Da mache ich also meinen Tee, gehe zurück zu meinem Tisch – mein Buch ist weg. Ich schaue die andere Tische an; nichts. Aber ich weiss doch, dass es dieser Tisch war! Es taucht ein Kellner auf. „Ich liess doch hier mein Buch liegen.“ „Gestern?“ „Nein, heute, vor fünf Minuten.“ „War es nicht die andere Seite?“ „Nein!“ – ich bin ganz sicher, bin doch nicht blöd! Ein paar Minuten später kommt er mit meinem Buch. Es lag auf der anderen Seite.

Wenn einer nach einer Woche immer noch nicht weiss, wo vorne und hinten, links und rechts ist... was soll man dazu sagen? Nun ja, draussen ist es noch dunkel – wenn ich das Wasser sehe, weiss ich wenigstens, in welche Richtung wir fahren. Du glaubst es nicht: selbst das wissen nicht immer alle. Der Wissensvorsprung nach sechs Jahre Leben auf See ist allerdings enttäuschend bescheiden... Ein wirklich einmalig schöner Sonnenaufgang entschädigt mich aber für den Frust.

Als ich in die Kabine zurückkehre, macht Therese sich und die Kabine bereit für ihr Morgenturnen. Weil dafür auch mein Schreibtischstuhl aus dem Weg geschafft werden muss, nehme ich meine Stöcke und drehe drei Runden an Deck drei. Wir müssen heute unsere Pässe abgeben, damit die Einreiseformalitäten für die restlichen anzulaufenden Länder erledigt werden können. Ich erledige das während Therese zu chairobic geht, ihre Sitz-Turnrunde.

In Hawaii hiess es, da gäbe es nur zwei Jahreszeiten: Sommer und Sommer. Es besteht Hoffnung, dass wir ein paar Wochen im Bereich des Sommers bleiben und somit irgendwo draussen lesen können. Das machen wir bis zur Englischstunde. Viel lernen wir da nicht, aber es ist lustig.

Sonntag, 12. Februar, 07:15 Uhr – so lange habe ich auf dieser Reise noch nie geschlafen! Es wird Zeit, dass man die Uhren wieder umstellt. Heute Nacht ist es soweit. Sonst ganz leichter Wind, glatte See, der Pazifik macht seinem Namen – Stiller Ozean – alle Ehre.

Mein Tagesablauf scheint langsam Struktur zu bekommen. Gegen acht Uhr trinke ich etwas im Lido – warum soll ich das teure private Wasser in der Kabine brauchen, wenn dort oben alles gratis ist – und gehe dann meine Walking-Runden drehen. In der Kabine tausche ich Stöcke gegen Buch, fahre wieder ins Lido hoch, esse mein Müsli und gehe dann weiter Richtung Bug, wo es im Poolbereich schöne, bequeme, sowohl schattige als auch sonnige Plätze gibt zum Lesen. Weiter bin ich noch nicht.

Ich bin immer wieder beeindruckt von der Sorgfalt, mit der dieses Schiff gewartet wird. Man trifft immer wieder Malequipen, die Stellen ausbessern, wo ich noch keinen Handlungsbedarf wahrnehme. Heute, beim lesen, hing ein kleiner gelber Kasten an einem Träger, auf seinem Deckel mit einem roten Telefonsymbol. Solche und ähnliche Sachen gibt es auf dem Schiff Hunderte, weltweit Milliarden. Sie haben eines gemeinsam: sie sind immer mehr oder weniger verstaubt oder verdreckt. Nicht hier! Ein junger Typ reinigte ihn mit einer Hingabe, wie wenn es die Kronjuwelen der Königin wären und besserte dann mit einem Wattestäbchen da und dort ein paar Punkte des Anstrichs aus.

Der Maschinenraum ist leider für Passagiere unter keinen Umständen zugänglich; zu laut, zu gefährlich. Ich bin aber sicher, dass dort eine ähnliche klinische Sauberkeit herrscht, wie ich sie im Grossmaschinenbereich nur in einem schweizerischen Atomkraftwerk erlebt habe.

Korrektur: Jeden Mittag um zwölf erfolgt eine Durchsage von der Brücke. Gerade erfahre ich, dass heute Nacht nicht die Uhr eine Stunde zurückgesetzt wird, sondern das Datum um einen Tag vor – es entfällt also nicht der 14, sondern der 13. Februar. Ob weil wir ein Tag früher als ursprünglich geplant die Datumsgenze passieren, oder aus Aberglaube, weiss ich nicht. Der eigentliche Grund dürfte aber auch sein, dass damit ausgerechnet der Valentinstag entfallen wäre – das geht schon gar nicht, ist es doch der wichtigste Tag des weltweiten Detailhandels, somit natürlich auch der vielen Geschäften an Bord. Immerhin bekommen aber alle Damen eine rote Rose geschenkt und die Gutenacht-Schokolade auf dem Bett ist an diesem Tag nicht rechteckig, sondern herzförmig.

Am nächsten morgen ist es soweit: gestern war Sonntag der 12, heute ist Dienstag der 14. Ich habe etwas Mühe, dies meinem Laptop, inklusive die aktuelle Uhrzeit, beizubringen – ich habe darin ja keine Übung und weil ich keine Internetverbindung habe, geht es nicht automatisch. Wir bekommen auch je eine tolle Urkunde. Morgen werden wir wohl die nächste bekommen: in weniger als drei Stunden überqueren wir auch noch den Äquator. Neptun macht sich sicher schon bereit für die Äquatortaufe jener, die dies das erste mal an Bord eines Schiffes machen. Das ist eine lustige Zeremonie, welcher wir aber diesmal nicht beiwohnen wollen; sie findet unter der prallen, äquatorialen Mittagssonne statt und die hat es in sich. Therese hat sich ihr gestern ganze zehn Minuten lang ausgesetzt, mit dem Resultat, dass ihr Heldenbrust nun auffallende Ähnlichkeit mit der japanischen Flagge hat, wenn auch der knallrote Fleck im weissen Feld nicht ganz rund geraten ist.

Um 11 Uhr hören wir einen Vortrag über Korallen und Korallenriffe im Theatersaal. Tolle Bilder – vom Text verstehen wir nicht gerade viel. Danach kaufe ich einen Hosengurt, weil meine schöne braune unaufhaltsam zerreisst. Ich müsste auch ein neues Brillenbändsel haben, das gibt es aber hier nicht. Therese schaut Schmuck an – ich mache sie darauf aufmerksam, dass wir das nicht brauchen. In diesem Moment kommen zufällig unsere zwei neuen Tischgenossinnen des Weges und deuten lächelnd an, dass sie diese Meinung gar nicht teilen.


FÜNF

Mittwoch morgen um etwa halb acht ist die Lufttemperatur 27, die Wassertemperatur 30 Grad! Das liest sich harmlos, die unwahrscheinliche Ladung der im Wasser gespeicherten Wärmeenergie kann aber unter gewissen Voraussetzungen gewaltige Stürme entfesseln. Vorläufig scheinen diese gewisse Voraussetzungen nicht vorhanden zu sein – ich hoffe, es bleibt dabei. Wir haben leichten achterlichen Wind, womit der scheinbare Wind nicht mehr als ein leiser Hauch ist. Ich mache fünf Walking-Runden. Vorsätze zu fassen ist meine Gewohnheit nicht, weder wenn die Jahreszahl wechselt, noch zu irgend einem anderen Zeitpunkt, habe aber gewisse Vorstellungen – mit fünf Runden bin ich vorläufig zufrieden.

Morgen früh legen wir in Apia an, der Hauptstadt von Samoa. Warum sie die Hauptstadt ist, hat einen einfachen Grund: sie ist die einzige Stadt dieses Landes. Und diese Tatsache ist auch das einzige, was ich von diesem Land – ja, es ist ein eigenständiges Land – weiss. Vielleicht sollte ich noch die paar Seiten Information lesen, die gestern in unserem Briefkasten steckten, der zwar kein Kasten ist, hält aber unsere Post fest. Erst mal gehe ich aber ins Theater, wo heute der Captain einen Vortrag hält mit dem Titel Virtueller Brückenrundgang; das interessiert mich natürlich. (Für nautische Banausen: gemeint ist nicht die Golden Gate Bridge oder ähnliche Bauwerke, sondern die Kommandobrücke.) Therese wollte lieber die Englischstunde besuchen, daraus wird aber nichts; eine Waschmaschine war gerade frei, so hat sie davon Gebrauch gemacht und nachher muss sie auch noch den Tumbler benutzen – Wäsche aufhängen an Deck ist hier nicht üblich.

Um halb eins treffe ich Therese wieder in der Kabine. Sie möchte richtig zu Mittag essen; ich nicht, eine richtige Mahlzeit pro Tag deckt meinen Energiebedarf. Der Vortrag des Captains ist sehr interessant, obwohl ich das Gesprochene nach wie vor mehr schlecht als recht verstehe – er hat aber gute, aussagekräftige Bilder projiziert und dass ich von Technik und Navigation doch einiges weiss, half auch. Er erklärte auch die Positionslichter: Steuerbord (rechts) grün. Backbord (links) rot, achtern (Heck) weiss. Das ist wichtig, nachts erkennt man daran, in welcher Richtung ein anderes Schiff fährt, ob Kollisionsgefahr besteht, wer Vortritt hat. Um Irrtümer auszuschliessen, sind alle Kapitäne bei Cunard mit einer Hightech-Einrichtung ausgerüstet, sagt er, zieht seine Hosenbeine etwas hoch: am linken Fuss trägt er eine rote, rechts eine grüne Socke.

Um zwei gehen wir wieder in den Theatersaal, ins Kino. Erwähnenswert ist noch das Theater selber – manche kleinere Stadt wäre froh, ein so grosses, schönes zu haben. So ein Schiff wird oft schwimmende Stadt genannt, der Vergleich ist aber doch etwas gewagt: Es gibt so gut wie keine Kinder, somit auch keine Schulen. Abgesehen von ein paar Rollstuhlfahrer und den Lifts nur Fussgänger. Niemand hat eine eigene Küche, so gibt es natürlich auch keine Lebensmittelgeschäfte oder Märkte. Aber immerhin dreitausend Einwohner, wovon ein drittel Berufstätige.

Der Film hat den Titel Sully; die Geschichte der berühmten Notwasserung auf dem Hudson, die Flugkapitän Sullivan den Titel Held vom Hudson eingebracht hat. Eine grossartige Pilotenleistung, vom Regisseur Clint Eastwood meisterhaft umgesetzt.

Die schlechte Nachricht: ich bekomme eine Erkältung.


Samoa, Tonga und weiter, 16-20. Februar

Apia, Samoa.

Der Bus ist diesmal kleiner, einfacher, aber immerhin auch klimatisiert – bei dieser Hitze hat nicht einmal Therese etwas dagegen.

Wir halten zuerst bei einer Strandpromenade. Wo allerdings niemand promeniert, ausser der Nutzlast unserer Busse. Ein paar Einheimische baden; ein ganz nackter kleiner Bub, eine von Kopf bis Fuss in blauem Gewand gehüllte Frau, die wenigen anderen normal. Nächster Halt: die grosse Markthalle. Früchte und Gemüse, auch einiges, was wir nicht kennen. Viele Kokosnüsse. Die Avocados sind grösser und birnenförmiger als bei uns. Fleisch und Fisch sehen wir nicht, obwohl das auch gegessen wird; das kauft man offenbar anderswo. Es gibt aber auch Klamotten und Souvenirs. Therese kauft ein grosses, schweres Stück dunkles Holz, geschnitzt, innen hohl, wenn man draufschlägt, klingt es laut. Ich habe keine Ahnung, was sie damit beabsichtigt. Ihr nächstes Stück ist eine Halskette – sie sagt, alles, was Frauen sich um den Hals hängen, nennt man Kette, diese besteht aus winzigen, braunen Samen.

Die Kathedrale hat die wahrscheinlich schönste Schiffbaudecke, die wir je gesehen haben; ausserdem schöne, bunte Glasfenster. Die Orgelpfeifen sind nicht zinnfarbig, sondern braun.

Zuletzt besuchen wir das ehemalige Wohnhaus des Schriftstellers Robert Louis Stevenson, welcher seine letzten vier Lebensjahre Ende des 19. Jahrhunderts hier verbracht hat. Wir müssen die Schuhe ausziehen. Grosses Haus in einem schönen, grossen, parkähnlichen Garten, eher bescheiden eingerichtet. Viele Fotos: sehr schöne, schlanke, gut gebaute Frauen und Männer. In den 120 Jahren seitdem sind zwei sehr bedauernswerte Sachen passiert: Die christlichen Kirchen – es gibt hier unzählige – haben durchgesetzt, dass keine nackten Oberkörper mehr gezeigt werden, weder von Männern (was ich zwar als keinen grossen Verlust sehe), noch von Frauen. Und das Durchschnittsgewicht der Menschen dürfte sich verdoppelt haben, man sieht fast nur dicke, noch dickere, sehr dicke.

Mit meiner Erkältung bin ich nicht unglücklich, dass wir kurz nach zwölf wieder zu Hause sind. Die Symptome sind zwar nicht sehr ausgeprägt, ich kann normal atmen, huste wenig, ein bisschen tropfende Nase und Halsweh, aber ziemlich beeinträchtigstes Allgemeingefühl. Noch hoffe ich auf baldige Besserung.

Tonga ist zu weit weg, um es in einer Nacht zu erreichen, zwei Nächte und ein Tag sind aber mehr als ausreichend. Wir fahren deshalb langsamer als sonst, nur 13-14 Knoten. Eine Zeit lang fahren wir entlang der Datumsgrenze Richtung Süden: an Backbord ist Mittwoch, an Steuerbord Donnerstag.

Freitag – gilt nun wieder für das ganze Schiff – ist der Himmel bedeckt, gelegentlich regnet es. Dieses Wetter sei typisch für die Jahreszeit, es ist Regenzeit.

Unwahrscheinlich, wie lange man auf dem Meer fahren kann, bis man irgendwo wieder auf Land trifft! Von Apia nach Nuku Alofa, Hauptstadt des Königreiches Tonga, auf der Insel Tongatapu, sind es aber nur ein Tag und zwei Nächte. Es bräuchte aber nicht viel, um an dieser kleinen Insel vorbeizufahren – wo träfe man dann wieder Land? Antarktis? Oder würde man auch an Antarktis vorbeifahren und dann wieder hoch nach... Afrika? oder wäre man wieder im Atlantik, nächster Halt am Rande des arktischen Eises? – falls er nicht schon geschmolzen wäre? Zum Glück sind da vorne oben ein paar Typen mit roten und grünen Socken, welche die schöne und wichtige Kunst der Navigation beherrschen. Tausend Jahre lang wurden immer jene Nationen reich und mächtig, welche die besten Navigatoren hatten. Zuerst die Araber, welche die Schätze Indiens nach Europa brachten. Dann haben aber die Portugiesen die Seeroute um Afrika herum entdeckt und ausgebaut – das Geschäft der Araber war futsch. Nach ihnen kamen aber die Spanier – sie eroberten die halbe Welt, wussten aber nichts damit anzufangen. Die Engländer kamen spät, wurden aber die mächtigste Seefahrernation aller Zeiten. Cunard wurde noch in dieser Zeit gegründet, sie wird nach wie vor als eigenständige Reederei geführt, gehört aber inzwischen Amerikanern. Die Geschichte der Seefahrt ist die Geschichte der Menschheit.

Wir verfolgen hier aber die aktuelle Seefahrtsgeschichte. Gehen auf das offene Deck 11 und begreifen zunächst gar nichts. Wir waren schon in der Nähe der Pier, die wir für unseren Liegeplatz hielten und fingen an zu drehen. Aha, er will wieder so anlegen, dass der Bug in Richtung offene See zeigt, wie schon in Samoa. Jetzt sind wir aber wieder weit weg davon. Therese vermutet, wir hatten zu wenig Wassertiefe für das Wendemanöver; das finde ich komisch, der Pilot (Lotse) kennt seinen Hafen sicher genau. Abwarten. Nach einer Weile kommt eine Durchsage vom Captain: die Windstärke sei zu hoch für ein sicheres Anlegen und gemäss Prognose soll er noch zunehmen. Sicherheit sei oberstes Gebot, so habe er beschlossen, das Manöver abzubrechen und direkt Kurs nach Auckland aufzunehmen. Bereits gebuchte Landausflüge werden automatisch zurückvergütet. Tja, dem ist nichts beizufügen – schade, aber Sicherheit geht vor, das wissen wir aus eigener Erfahrung nur zu gut. Therese ist fasziniert von den vielen kleinen Inseln in Sichtweite und dem stellenweise türkisgrünen Wasser dazwischen. Wir hätten auch gerne fliegende Hunde gesehen, die es hier geben soll und sie wollte Vanilleschoten kaufen.

Sonntag früh steht es fest: statt Dienstag morgen, wie geplant, legen wir nun schon Montag abend in Auckland an. Ob sich Unternehmungslustige dann gleich ins neuseeländische Nachtleben stürzen werden? Was uns anbelangt, halte ich das für ziemlich unwahrscheinlich.

Sonntag früh haben wir einen wunderschönen Himmel. Wir sind ja schon nicht mehr in den Tropen, sondern im Bereich des Südostpassats – demnach müssten es Passatwolken sein.

Und nun liegen wir in Auckland fest! Wir haben den ganzen Pazifischen Ozean überquert! Unglaublich! Weiter weg von Europa kann man auf der Erde nicht mehr reisen! Wir lesen, essen, schlafen, besuchen Veranstaltungen, schauen, staunen, wie immer – ist das nicht eigenartig?


SECHS

New Zealand, 20-22. Februar

Nach dem Anlegen in Auckland geht Therese an Land und kauft eine Strumpfhose, ein paar Socken, vier Knoblauch und ein Fläschchen Gesichtsreiniger. Wir haben keinen Neuseeländischen Dollar, sie kann mit Kreditkarte bezahlen. Vier Knoblauchknollen kosten etwa gleich viel wie eine Strumpfhose.

Mit dem Bus machen wir eine Stadtrundfahrt und fahren über die Harbour Bridge hin und zurück. Vor allem die Lage von Auckland ist sehr schön; das Meer ist allgegenwärtig. Es gibt mehrere grosse Yachthäfen, Segeln ist hier Volkssport Nummer eins. Die Architektur ist meist modern, mit einigen schönen Gebäuden in Kolonialstil. Es gibt auch viele kleine Wohnhäuser, eng beieinander, in der auch in den USA üblichen Holz-Leichtbauweise. Auf einem Hügel ist eine riesige Rasenfläche mit einem Denkmal, dessen Bedeutung uns verborgen bleibt; die Aussicht ist schön.

Zwei von den vier Stunden verbringen wir in einem grossen, schönen Museum. Da gibt es zuerst eine Maori-Kultur-Vorführung: drei Frauen und drei Männer singen, tanzen, jonglieren; es hat zum Teil ziemlich aggressiven, kriegerischen Charakter. Die Frauen sind ganz bekleidet, die Männer tragen nur einen Lendenschurz.

Das Museum ist riesig, schön, gepflegt. Wir können nur einen kleinen Teil anschauen, vor allem Kunsthandwerk und alte Gebrauchsgegenstände der Maoris, unter anderen einen riesigen, reich verzierten Kriegskanu, zum Teil durch kunstvoll angebrachten, dicken Schnüren zusammengehalten.

Im Museumsladen könnte man ohne weiteres einige hundert, aber auch mehr Dollar ausgeben – oder gar nichts. Wir entscheiden uns für’s letztere...

Heute laufen wir erst am späteren Abend aus und liegen praktisch im Zentrum dieser 1,3 Millionen (deutsche Angabe) oder 1,4 Millionen (englische Angabe) Stadt, so entschliessen wir uns am Nachmittag zu einem weiteren Landgang. Wir gehen die Haupteinkaufsstrasse Queens Street landeinwärts. Am Anfang sind Läden wie Gucci, Vuiton und ähnliche, dann wird es aber bald vernünftiger. Ich suche ein Brillenbändsel. Im ersten Laden gibt es nur blödsinnig dicke, die wären vielleicht für ein Nachtsichtgerät von einem Kilo oder mehr angemessen. Im zweiten auch, da ist der Besitzer aber ein schon lange hier lebender Österreicher, der uns erklärt, wo wir fündig werden könnten. Wir wissen zwar nicht auf Anhieb, was ein Keksladen sein soll, wonach wir abbiegen müssen und er weiss nicht mehr, wie Optiker auf Deutsch heisst, wir finden aber den Laden trotzdem und tätigen diese Investition. Wir haben zwar keine neuseeländische Dollar, es ist hier aber kein Problem, selbst so kleine Beträge wie 4,90 mit Karte zu bezahlen. Ein paar Postkarten trauen wir uns aber doch nicht auf diese Weise zu beschaffen, so nimmt Therese noch ein kleines Schaf dazu.

Lädele (schweizerisch für Einkaufsbummel) ist aber für uns beide eher lästige Notwendigkeit als Vergnügen. So wollen wir etwas anderes versuchen, das uns ein hier lebendes Ehepaar, mit dem wir zufällig ein paar Worte im Lido gewechselt haben, sehr empfohlen hat. Irgendwo muss doch dieser Turm sein, man sieht ihn von weitem überall, aus der Nähe wird es aber schwieriger. Aus einer Seitengasse erblicken wir ihn aber.

Der Sky Tower wiegt etwa so viel wie 6000 Elefanten und zu der oberen Aussichtsplattform wären es 1267 Treppenstufen. Wir nehmen lieber den Aufzug, auch wenn das etwas Geld kostet und fahren zunächst auf 186 Meter hoch. Dass die Lage von Auckland wirklich sehr schön ist, wussten wir ja schon, aber aus dieser Höhe kommt sie erst richtig zur Geltung – überwältigend! Wir schauen zuerst auf den Hafen runter. Unsere Queen sieht von da wie ein Spielzeugschiffli aus, meint Therese. Es sind auch viele Segelboote unterwegs – noch mehr liegen in mehreren Marinas. An einigen Stellen kann man über Glasplatten gehen und senkrecht runterschauen; es ist ein etwas mulmiges Gefühl, auch wenn eine Tafel verkündet, dass das Glas 38 Millimeter dick und genau so fest wie die Betonplatte daneben ist.

Mit einem weiteren Lift kann man noch auf 220 Meter hochfahren. Das ist tatsächlich auch optisch eine Steigerung. Wer will, kann aus 194 Meter auch runterspringen, gesichert durch ein Seil. Darauf verzichten wir – nicht nur aus Kostengründen...

In der Nacht fahren wir etwas weiter nördlich, nach Bay of Island und werfen Anker. Diesmal müssen wir uns im Royal Court Theater sammeln, beziehen unsere Hundemarken – unsere sind bordeauxrote 3 – die man aber nicht am Halsband, sondern an die Brust geklebt trägt. Gelegentlich fahren wir mit dem Tender an Land, finden unseren Bus und fahren längere Zeit über eine sehr schöne Hügellandschaft. Therese sagt, Hobbit-Land: grosse Grasflächen, kleinere und grössere Baumgruppen, viele Kühe und Kälber, auch Schafe, aber nicht mehr so viele wie früher, sagt unsere Führerin – ob wir von der übrigen Welt sie langsam wegfressen?

Unser heutiger Ausflug heisst Puketi Forest Nature Walk. Es ist ein alter Kauriwald im Herzen der Nordinsel. Kauri sind mächtige Bäume, zum Teil tausend und mehr Jahre alt. Es sind aber nur einzelne Exemplare, der Wald besteht vorwiegend aus vielen anderen, kleineren, von uns nie gesehenen Arten, mit dichtem Unterholz, darin immer wieder auch Palmen, riesige Farne, sehr schön, sehr interessant. Der Pfad ist auch für mich gerade noch gut begehbar, wenn auch stellenweise ziemlich steil, zunächst meist abwärts, dann aber – wer hätt’s gedacht – wieder hoch. Die anderthalb Stunden reichen mir dicke. Die Kauri sondern Rohgummi ab, welchen die Maori für ihre Kriegs- und Zierbemalung verwendet haben, ansonsten verehrten sie den Wald und gingen sehr vernünftig, schonend mit ihm um – im Gegensatz zu den Europäern, die sich dann hier breitgemacht haben. Zum Glück steht dieser Wald nun aber unter Naturschutz. Bei Beginn des Pfades müssen die Schuhe auf einer Matte desinfiziert und gereinigt werden, weil irgendwelche Pilze die Bäume gefährden.

Auf dem Rückweg gibt es noch einen Zwischenhalt an einer schönen Stelle, wo wir mit Kaffee oder Tee, Kuchen und ausnahmsweise guten Äpfeln verköstigt werden. Wieder viele Kühe. Sie essen Gras und sehen ganz normal aus. An einer Stelle sammeln sie sich in einem offenen Laufstall, wohl zum melken. Offenbar kann man also heute noch, selbst in einem hochentwickelten Land, auch ohne fleischfressende Monster, die entweder wahnsinnig werden oder auf die eigene Euter treten, Milch produzieren. Die Neuseeländer sind, nachdem ich ganze vier Stück in meinem Leben von ihnen kennenlernen durfte, mein Lieblingsvolk geworden. Nach diesen zwei Tagen hier sind sie es nach wie vor. Wenn dieses Land bloss nicht so weit weg von vielen und vielem, die ich auch liebe, liegen würde – und dazu nicht auch noch ziemlich teuer wäre... Wir schätzen uns aber glücklich, dass wir es wenigstens mal kurz erleben durften!

Am späteren Nachmittag sind Alle wieder an Bord. Wir beobachten einmal mehr, wie „unser“ Tender wieder hochgehievt und an seinem Platz befestigt wird. Danach mache ich mich auf den Weg, um das Auslaufen aus dieser schönen Bucht zu beobachten. Auf Deck 9 will ich gerade hinaus, als ich selten gehörte Wortfetzen vernehme. Reden die etwa...? Ich gehe näher. Zwei junge Frauen, der Kleidung nach zur Crew gehörend. Es fällt ihnen natürlich auf, dass der Typ da sie beobachtet. „May I help you?“ fragt die eine, pflichtbewusst. „Nem, köszönöm, mir ist nur die Sprache bekannt vorgekommen“, antworte ich ungarisch. „Do you speak hungarian?“ fragen beide hintereinander, ungläubig. „Igen, persze“ (ja, natürlich). Nachdem meine Herkunft geklärt ist, fragt die eine, wo in der Schweiz. In der Nähe von Zürich, sage ich, wie immer – Zürich kennen alle, kleine Industriestädtchen kaum jemand. Ach ja, ihr Onkel hat auch da gelebt, in Baden. Baden? Da habe ich zuletzt gearbeitet, zwanzig Jahre lang. Auf Teneriffa war sie übrigens auch schon, da gäbe es sogar Pyramiden, erklärt sie ihrer Freundin. Worauf natürlich unweigerlich der blöde Spruch, die Welt sei klein, folgen muss – ausgerechnet von einer, die dabei ist, sie in langen vier Monaten einmal zu umrunden; zumindest nehme ich an, dass sie während der ganzen Reise dabei sind. Nur der Kapitän und vielleicht noch die höheren Offiziere haben nach drei Monaten Dienst drei Monate Urlaub, bei den unteren Rängen ist das Verhältnis acht oder neun zu eins.

Ja, ausgelaufen sind wir natürlich auch. Es gab viele Segler. Es ist ein herrliches Revier hier, heute mit genug aber nicht zu viel Wind und kaum Seegang.


SIEBEN

Sydney und der Weg dahin, 23 – 26. Februar

Aus technischen Gründen geht es im neuen Beitrag - ... Teil 2 - weiter.

48 - ja, achtundvierzig - Jahre später geht es weiter Richtung Westen. Wir beide haben ein paar Jahrzehnte gearbeitet, je eine misslungene Ehe hinter uns gebracht, segeln und uns kennen gelernt, schon mal mit unserer Aneki von Norditalien nach Portugal und wieder ein Stückchen zurück gesegelt und nun ein Sückchen weiter. Ich hoffe, ihr liest auch etwas längere Beiträge...

Mangels Peitsche knallt Aneki mit ihrer Genua. „Aber Herrin“, beeile ich mich sie zu beschwichtigen, „du wirst doch nicht angenommen haben, ich könnte pinkeln gehen oder ein Glas Wasser, meine Jacke, eine Banane holen wollen? Aber nein, ich stehe dir ja voll zur Verfügung! Womit darf ich denn dienen? Du willst doch nicht schon wieder anluv...“ – knall! – „ich meine, möchtest du vielleicht anluven? Reichen fünf Grad oder sollen es gleich zehn werden?“ Wenn aber Segelstellung und Wind einigermassen übereinstimmen, pflügt sie mit gleichgültiger Selbstverständlichkeit die Wellen. Ob sie dabei nach Lanzarote kommt, auf Felsen zerschellt oder an allem vorbeisegelt bis zur Antarktis? Kümmert sie einfach nicht! Es ist schon fast unheimlich, in dieser rabenschwarzen Nacht.
Die Stadt Sevilla hat uns nicht das erste mal gelockt. Aber uns deshalb schon Mitte September – später bekommt man da keinen Platz mehr – winterlich einzumotten, fanden wir plötzlich irgendwie doch zu blöd. Schneller Entscheid: Kanaren!
Montag früh sind wir bereit, der Wetterbericht droht aber mit Nebel bei Tarifa. Therese steigt auf die Hafenmole: tatsächlich! Das liegt zwar östlich und unser Kurs ist Südwest, aber so genau weiss man nicht was daraus wird, also erst mal abwarten. Gegen zwölf sieht es besser aus. Wir verholen zuerst zur Tankstelle. 147 Liter Diesel füllen den Tank randvoll, insgesamt dürften 350 Liter drin sein. Trotzdem ist es klar: die ganze Strecke motoren liegt diesmal auf gar keinen Fall drin! Es muss gesegelt werden, ob der Wind weht oder nicht, ob aus der richtigen oder falschen Richtung, zu viel oder zu wenig.
Das meilenlange Thunfischnetz vor Barbate umfahren wir aber doch unter Motor. Der Kältespeicher im Kühlschrank muss sowieso erst mal abgekühlt werden – sein Kühlkompressor wird direkt vom Diesel angetrieben – und die „Autobahn“ (offiziell: Verkehrstrennungsgebiet) von Gibraltar soll einmal mehr überquert werden. Ein Stück weit begleiten uns mehrere Delfine. Zuerst verliert unser Handy den Kontakt zum Rest der Welt. Dann findet das Echolot keinen Boden mehr. Europa verschwindet hinter uns im Dunst, irgendwann auch die Berge Marokkos an Backbord. Für uns Schweizer immer noch sensationell: 360 Grad Horizont – aus Himmel und Wasser bestehend.
Neptun meint es gut mit uns: wir können ab 17 Uhr die ganze Nacht segeln; es ist ein Amwindkurs, bei wenig Wind und Seegang ideal. So können wir ohne Stress anfangen, uns mit diesem seltsamen Lebensrhythmus anzufreunden: drei Stunden Wache, drei Stunden frei, rund um die Uhr.
Dienstag morgen sehen wir zwei andere Segler. Sie fahren anscheinend den gleichen Kurs, verschwinden aber nach einem halben Tag weiter westlich. Ein, zwei Frachter, einige Fischer, alle weit weg. Der Wind schläft ein, kommt wieder, wir setzen und bergen Segel, starten und stoppen die Maschine und sind viel allein, können ja nicht zusammen schlafen. Zweimal täglich muss der Diesel laufen um Kälte zu erzeugen, sonst segeln wir auch schon mal mit nur zwei Knoten, wenn der Wind nicht mehr hergibt; auf kürzeren Strecken haben wir für sowas nie Zeit, weil wir dann immer bei Tageslicht ankommen wollen. Ob es jetzt aber vier, fünf, sieben oder mehr Nächte werden, darüber macht man sich keine Gedanken, weil es völlig unmöglich ist, das Tage vorher schon zu wissen. Es gibt keine Agenda und die Rolle der Uhr ist auch eine ganz andere als im „normalen" Leben.
Sternenklare Nächte. Die Mondsichel geht erst Stunden nach Mitternacht auf – sah aus wie ein Orangenschnitz, erzählt Therese – die Luft ist klar und es gibt keine andere, störende Lichtquellen. Unter Segeln haben wir nur eine Dreifarbenlaterne am Masttop an (mit Leuchtdioden, tolle Sache, braucht fast keinen Strom, im Gegensatz zu den normalen Positionslichtern), nur das Windinstrument ist schwach beleuchtet. Die Beleuchtung des anderen wichtigen Instrumentes, des GPS, ist selbst auf der niedrigsten Stufe zu hell, ich schalte sie nur von Zeit zu Zeit kurz ein. Man könnte ihn auch so programmieren, dass die Beleuchtung nach einer gewissen Zeit selber erlischt – überflüssige Spielerei der Elektronikhersteller, die bauen immer ein Haufen überflüssige Funktionen ein, statt die wirklich notwendigen zu optimieren. Das Echolot meldet zum Beispiel von Zeit zu Zeit – zum Glück selten – durch nervöses Piepsen, dass das Wasser tief sei; wie tief, weiss es schon seit 160 Meter nicht, hier ist es nach Seekarte mehr als zweitausend Meter.
Sternenklare Nächte. Wie viele Sterne kann der Mensch mit blossem Auge ausmachen? Tausende? Millionen gar? Und sind die wirklich alle der Wissenschaft bekannt? Ich nehme es an; Lage, Entfernung, Grösse, Oberflächentemperatur, Alter, welche Stoffe sie enthalten – angeblich weiss man über Sterne, die Tausende von Lichtjahren entfernt sind, mehr als über die Tiefe unserer Ozeane.
In der Nacht auf Mittwoch dreht der Wind auf Nordost. Therese notiert im Logbuch: „Unglaubliche Belastung für das Material durch das Schlagen der Segel.“ Auch fürs Schlafen unten ist dies nicht gerade förderlich. Ich übernehme die Morgenwache. Erst um 0730 wird es langsam hell, die Mondsichel und das Sternbild Orion stehen ganz hoch am Himmel. Ich rolle die Genua wieder aus und versuche einmal mehr, platt vor dem Wind einen „Schmetterling“ zu fahren – Genua auf der einen, Gross auf der anderen Seite – obwohl ich es inzwischen wirklich wissen müsste, dass Aneki dies absolut nicht mag. Dabei kollidiert auch noch der Grossbaum mit der Mann-über-Bord-Markierungsboje, weil sich deren Halterung irgendwie verschoben hat – plötzlich baumelt etwas Leuchtendes links am Hardtop, aha, abgeknickt, ich kann mich aber vorläufig nicht darum kümmern, weil ich alle Hände voll zu tun habe mit der Bändigung der wildgewordenen Besegelung. „Thereses Wache beginnt etwas hektisch“ notiere ich später im Logbuch; normalerweise könne man erst mal einen Kaffee trinken, beanstandet sie auch zu recht. Also motoren wir erst mal ein paar Stunden und überlegen, wie wir diesen Wind segelbar machen können. Das Zauberwort heisst: Kreuzen vor dem Wind. Dass man direkt gegen den Wind nicht segeln kann, wissen Alle; man kreuzt, segelt also mal nach links, mal nach rechts schräg gegen den Wind. Platt vor dem Wind – Rückenwind sagen Landratten – geht es aber auch entweder gar nicht oder viel langsamer als ebenfalls etwas schräg zur Windrichtung. Die Strecke wird zwar länger, durch den Geschwindigkeitszuwachs kann das aber wettgemacht werden. Wir setzen also die Genua und den Besan; das Gross nicht, das würde nur die Genua abschirmen, ihr den Wind quasi aus dem Segel nehmen.
Mittwoch, Donnerstag, Freitag vergehen mit dem ständigen Versuch, Aneki so weit bei Laune zu halten, dass sie ihren Unmut nicht mit knallender Genua kundtut, wir dennoch nicht all zu viel zusätzliche Strecke machen müssen. Ohne Seegang wäre dies einfach, je nach dem wie stark Aneki rollt, giert und stampft, um so mehr müssen wir aber anluven. Neptuns Schonfrist ist nämlich definitiv vorbei, nun fängt er langsam an uns zu zeigen, mit welch „lustigen“ Tricks er solchen, die sich in sein Reich begeben, obwohl sie von Natur aus nicht eigentlich dazu vorgesehen waren, beschäftigen kann: wir haben einerseits die nachfolgenden Seen entsprechend dem Wind, dazu aber einen Schwell von genau querab. Beide haben natürlich unterschiedliche Wellenlängen und Perioden, das kann zu den verschiedensten Kombinationen führen, ganz besonders, wenn Therese sich unserem leiblichen Wohlbefinden zu widmen versucht. Mal knallt die Kühlschranktüre gewaltig gegen den Kochherd, mal ergiesst sich ein Pfännchen Milch über die Brenner, Zutaten und Gerätschaften beginnen urplötzlich ein seltsames Ballett, mangels eines Bordorchesters durch meines Täubchens munteren Rufe wie „Himmelarschnomal!“ begleitet – bevor sie Bordfrau wurde, kannte sie solche Texte gar nicht, Reisen im Allgemeinen und zur See im Speziellen bildet ja ungemein.
Dass es sich bei diesem Trip um keine Gourmetreise handelt, liegt nicht an ihr, eher an unserem völlig unbegründeten Vertrauen in die Fertiggerichtindustrie. Das, was sie selber herstellt, ist zwar den Umständen entsprechend einfach, aber dennoch Spitze. Einmal ausgezeichnete Bratkartoffeln – und das aus den wässrigen spanischen Erdäpfel herzustellen ist wirklich hohe Kunst – mit Bratwurst, einmal G’schwällti (Pellkartoffeln) mit in Öl eingelegtem Thunfisch aus Barbate und Käse, als Vorspeise immer einen schönen Salat, für Gaumen und Gesundheit.
Der Donnerstag Abend hingegen bleibt als doppelter kulinarischer Tiefpunkt in Erinnerung: für uns durch ein Fertigreisgericht mit Huhn und Gemüse – klingt gut, oder? war echt gruusig! – und für einen armen Fisch durch Thereses Köder, Angelhaken und Bleigewicht. Gesehen haben wir das Drama nicht direkt, wahrscheinlich hatte sie zunächst einen Fisch an der Angel, den aber ein grösserer samt dem Angelgeschirr verspeiste. Wir hatten aber auch eine Fertigsuppe; geschmeckt hat sie nach nichts, gerochen nach Katzenpisse.
Und was trinkt man zu all dem? Meistens Wasser. Von einer gemütlichen Säuferbude verwandelt sich nämlich Aneki, sobald sie weder durch Leinen noch durch Anker mit der übrigen Welt verbunden ist, in ein trostloses Entziehungsheim: kein Tropfen Wein, Bier, Schnaps, kein Apéro, kein Carajillo (spanischer Kaffe mit einem Schuss Brandy), kein Sherry, nicht einmal ein Schuss Maraschino im Fruchtsalat. Die gute Nachricht ist: anscheinend sind wir nicht alkoholsüchtig, jedenfalls stellten sich keine Entzugserscheinungen ein, ausser das leise Gefühl beim Nachtessen, irgendwie fehle da etwas.
Wir sehen erstaunlich viele Frachtschiffe. Erstaunlich wenig Fischer; erstaunlich, weil angeblich die Gewässer zwischen Marokko und den Kanaren zu den fischreichsten der Welt gehören – oder gehört haben, steht der resignierte Zusatz in unserem Handbuch.
Freitag 0940 nervt uns eine Regenbö – dabei regnet es in dieser Gegend so gut wie nie, steht im Handbuch. Der Wind kommt aus allen Richtungen, zum Glück nur zwischen Stärke zwei und fünf, so ist es nicht stressig oder gar gefährlich, aber lästig. Die nassen Klamotten – erst muss man mit der Situation segeltechnisch klar kommen, die Öljacke aus der Versenkung zu holen muss warten – wären in einer kälteren Gegend mehr als nur lästig gewesen. Der Süden hat schon seine Vorteile, auch wenn er gar nicht immer sonnig ist; Freitag und auch Samstag ist es meist vollständig bedeckt.
Das alles wird aber durch den Dienstplan, seemännisch Wacheinteilung, beherrscht. Drei Stunden sie, drei Stunden ich, der oder die Wachhabende ist im Cockpit, der oder die Freiwache liegt in der Koje. Ganz einfach – in der Theorie. Im wirklichen Leben ist es, wie meistens, viel komplizierter, wir sind nämlich eine Crew und nicht zwei Einhandsegler. Das heisst, dass wir ständig Ausguck halten: jemand sitzt, steht, hängt im Cockpit und versucht aus schlafverklebten Augen andere Seefahrer, Tücken von Wind und Wetter, unsere Instrumente und überhaupt Alles zu erkennen. Wie soll man so aber je zu einer Mahlzeit, ja, auch nur zu einem Glas Wasser kommen, wenn der/die Andere derweil zu schlafen versucht? Ausserdem sind die meisten Segelmanöver zur zweit viel einfacher und sicherer auszuführen. Kreuzen vor dem Wind bedeutet, dass wir von Zeit zu Zeit eine sogenannte Q-Wende fahren müssen. Richtungswechsel durch den Wind macht man beim achterlichen Wind sonst durch Halsen, wenn aber das Grosssegel nicht gesetzt ist, geht das nicht, die Genua würde sich um den Vorstag wickeln. Also Q-Wende: Therese holt das Besansegel dicht – dazu muss sie erst seinen Bullenstander lösen – und verholt den Backstag auf die andere Seite. Vorsichtshalber muss ich dazu bereits etwas anluven; gleichzeitig speichere ich im GPS den momentanen Standort ab und schaue schon mal, dass die Genuaschoten klar laufen. Dann holt sie die Genua dicht, während ich langsam anluve, damit wir für die nun folgende antriebslose Phase genug Fahrt haben. Ich schreie „Kurbel weg!“, lasse die Genua einen Moment lang back stehen damit wir sicher durch den Wind kommen und schreie dann „Schot los!“ Sie schmeisst die eine Schot frei und holt die andere, ich falle ab, sie belegt die Schot, fiert das Besansegel auf und während sie den Eintrag ins Logbuch macht, optimiere ich den Kurs, sie trimmt bei Bedarf die Genua nach, belegt wieder den Bullenstander. Ja, solches und einiges andere machen wir also zur zweit, wenigstens unsere kargen Mahlzeiten wollen wir auch zusammen einnehmen, also wird das schöne Prinzip des „du-drei-Stunden ich-drei-Stunden“ nicht unerheblich modifiziert. Ausserdem lassen sich Körperfunktionen auch nicht beliebig programmieren, man ist nicht drei Stunden topfit und drei Stunden im Tiefschlaf. Sobald ich meine Wache antrete, verspüre ich eine bleierne Müdigkeit, kaum liege ich aber in der Koje, bin ich putzmunter, hirne über solchen Schwachsinn nach, dass ich vor mehr als fünfzig Jahren einem bildhübschen Mädchen ein Pflästerchen auf den Oberschenkel kleben durfte, weil sie mit dem Velo umgeflogen war, dabei taten wir beide so, wie wenn das gar nichts Besonderes wäre, obwohl es sehr besonders war und denke darüber nach, was aus einer solchen Situation hätte werden sollen; dann sage ich mir, fertig, Thomas, du liegst schon eine Stunde da, in zwei Stunden kommt dich Therese wecken, jetzt denkst du mal an nichts... an nichts... an nichts... verdammt, wie hiess eigentlich das Mädchen überhaupt? Wieso schlafe ich jetzt nicht? Ich war doch todmüde. Ach, ich liege ja auf meiner falschen Seite, also umdrehen – nein, das geht jetzt doch nicht, weil Aneki sich auf die falsche Seite neigt, ich drehe mich zurück und schlage dabei auch noch meinen blöden Grind an. „Thomasli, es ist drei Uhr.“ „Ich komme...“ Erst mal pinkeln. Natürlich bei absoluter Finsternis, weil sogar der scheintote Fifi über der WC-Luke festgezurrt ist, es dringst also nicht einmal das spärliche Licht der Sterne ein. Anziehen ebenfalls im Dunkeln – macht man nur eine Minute lang Licht, ist man nachher mindestens eine viertel Stunde wie blind draussen, dann könnte man auf die Wache ja ganz verzichten. So stelle ich eines Morgens beim Ausziehen fest, dass ich meine Unterhose verkehrt anhatte – eigentlich eine gute Idee, statt sie ewig zu wechseln könnte man sie ja erst mal kehren.
Eines nachts – Therese schaltet hie und da doch kurz das Licht im Toilettenraum ein – entdeckt sie da eine Riesenkakerlake. Irgendwo las sie, dass sie, wenn man sie totschlägt, noch schnell hunderttausend Eier aus dem Leib pressen; diese Aussicht versetzt sie vollends in Panik. Sie greift also zu Schwager Oskars Wunderspray – ein recht potentes Mittel das nur an Tierärzte abgegeben wird gegen das Versprechen, es nicht gegen Schwiegermütter und lästige Nachbarn einzusetzen – und behandelt etwa ein Quadratmeter Bodenbrett und den Hohlraum darunter. Als wir beim Wachwechsel noch beide im dunklen Cockpit sitzen, fliegt aus dem Niedergang plötzlich etwas Grosses, Unheimliches, prallt gegen die Decke des Hardtops und entschwindet in der dunklen Nacht. Phü, wird es gedacht haben, fast hätten die Riesen mich noch vergiftet! Ich hoffe, sie ersäuft unterwegs!
Bei einem Spätzchen, das uns sechzig, achtzig Meilen von der nächsten Küste entfernt kurz besucht, hoffen wir beide das Gegenteil. Hoi, Vögelchen, wo kommst Du denn her? Wir wussten gar nicht, dass du so weit fliegen kannst – oder bist du mit einem Frachter gekommen, hast das Ablegen verpennt? (Ob es wirklich ein Spatz oder nur etwas ähnliches war, wissen wir zwar nicht, aber sicher kein Seevogel.)
Es ist nicht einfach. Langstreckensegler gibt es nur aus dem gleichen Grund wie Mütter mehrerer Kinder: sobald die Geburt vorbei ist oder man am Ziel, vergisst frau die furchtbaren Geburtswehen, man das menschenunwürdige Dasein auf Langstrecken.
Freitag nacht ist es wirklich stockfinster. Der Himmel ist bedeckt, ich sehe keinen Stern. Steuerbord voraus scheint der Horizont etwas heller, es könnte der Widerschein der Insel sein, oder aber Mondschein, der weiter vorne durch die Wolken dringt. Abwarten. Der Wind ist unstet, meist zu schwach, wir haben festgestellt, dass noch genug Treibstoff im Tank ist und motoren. Der GPS meint, dass wir eine Stunde vor Sonnenaufgang beim nächsten Waypoint wären, der aber schon nahe der felsigen Küste liegt, da sollte man für alle Fälle etwas sehen; ich reduziere die Drehzahl auf 1800, stelle irgendwann fest, dass es Lichter an Land und nicht am Himmel sein müssen und dann löst mich Therese ab. Ich schlafe etwas, dann weckt sie mich wieder. Wir seien zu schnell gewesen, sie wollte aber nicht weiter die Drehzahl reduzieren, weil mich das sicher geweckt hätte, dabei seien wir beide dringend auf das Bisschen Schlaf angewiesen. Sie geht in die Koje und ich auf knapp über Leerlaufdrehzahl. Während wir an der Hauptstadt der Insel, Arrecife, vorbeifahren, landen etwa fünf Flugzeuge und kommen zwei Fähren an. Sie schläft endlich tief und fest, als ich sie wecken muss: „Komm, in einer Stunde sind wir da.“ Wo „da“, fragt sie noch ganz benommen. „Im Hafen natürlich, da wollen wir doch hin, weisst du nicht mehr?“
Samstag um 1043 machen wir am Wartepier in Puerto Calero auf Lanzarote fest, nach 117 Stunden und 26 Minuten auf See. Das Büro der Marina ist im ersten Stock eines runden, turmähnlichen Gebäudes. Während wir die Treppe hochsteigen, schwankt der Turm ganz erheblich, wir müssen uns links und rechts am Geländer festhalten und ein Fuss nach dem anderen immer im richtigen Moment auf die nächste Stufe setzen, uns genau dem Rhythmus seiner Bewegungen anpassen, wie bei den regelmässigen „Rundgängen“ im Cockpit zwecks lückenloser Horizontbeobachtung und Gangbarmachen unserer steifen Gliedern. Oben angelangt, muss sich Therese zuerst auf eine Treppenstufe setzen, ich lehne mich fest an den Fenstersims und versuche mir einzubilden, der Turm stehe fest. So ist das, wenn man zu lange herumschippert.

wie es scheint, muß alles einen Namen haben.
wow, heute "Weltnudeltag"
der Radweg vom Reschen nach Meran = via Claudia Augusta
wieso eigentlich?

von Virginia (gelöscht) • Kategorie: Wie läuft es denn hier im Forum so

Zur Eroeffnung - ich koche sehr ungerne, vor allem keine kleine Mengen. Die ewigen Truthahn-hackbratenscheiben, die ich oft einfriere, haben ihre Anziehungskraft verloren und so hat Gemuese-Stir-Fry. Wuesste gerne, wie andere "single-Cooks" dieses Problem loesen.

von gartenzwerg • Kategorie: Wie läuft es denn hier im Forum so (zuletzt bearbeitet: 13.10.2017 16:54)

13.10.17 - Zwei und eine halbe Woche sind vergangen. GGin geht es in der Kur blendend, sie hat viel Spaß und arbeitet viel an ihrem Gesundempfinden. Kommenden Mittwoch können wir uns wieder im Arme halten. Ich selbst bin in dieser Zeit gut zurecht gekommen, bin weder verhungert noch vermüllt.
Und hier im Forum fühle ich schon fast wie zu Hause. Manche Eigenarten muss ich noch erkennen, aber was so den normalen Ablauf betrifft, so komme ich schon sehr gut zurecht. Und ganz wichtig: Die Freundlichkeit von Euch Allen, die den Anfang und den weiteren Aufenthalt hier so angenehm macht. Danke Euch Allen dafür!

Hier ergibt sich ein KOCHBUCH ... - eine Übersicht
(Wir machen das Forum "luftiger")

CDU-Innenexperte Wolfang Bosbach hat Klartext gesprochen.
Er rechnet nach dem G20-Gipfel mit alle Besserwissern ab, die nun den Einsatz der Polizei kritisieren.
Für die einen habe die Polizei zu hart durchgegriffen und sich in Polizeigewalt ergangen.
Die anderen bemängeln, dass sie nicht gleichzeitig an allen Brennpunkten gewesen sei.

"Wir sollten der Polizei nicht in den Rücken fallen, wir sollen ihr den Rücken stärken.
Schuld sind die Chaoten, die Kriminellen, nicht die Mehrzahl der friedlichen Demonstranten
Wer einen Rewe-Markt plündert, hat kein politisches Anliegen, er ist ein krimineller Idiot."

Zum Ende seiner Ausführungen führt Bosbach aus, dass seiner Meinung nach linke Gewalt in Deutschland eher geduldet werde als rechte, was die Auswüchse im Hamburger Schanzenviertel und anderswo erkläre.




Zunächst:

Herr Bosbach hat meinen größten Respekt - vor allem weil er nicht "stromlinienförmig" ist.

Richtig scheint mir die Trennung zwischen kriminell und extrem.
Die Vermischung halte ich für unlauter, wenn sie nicht zutrifft. - (Leider wurde hier die Konturen scheinbar nicht klar - Nach meinem Wissen geht die Partei Die LINKE nicht mit kriminellen Autonomen konform...)

Ärgerlich ist, dass am wenigsten die Extremisten sich von den Kriminellen distanzieren.

Wenn der Rechtsextremismus immer noch als "Kavaliersdelikt" zählt und die Verbreitung von faschistischen Aussagen sowie die öffentliche Nutzung faschistischer ideologischer Gegenstände unter Polizeibegleitung marschieren darf und dies immer noch nicht geahndet wird, dann entwickle ich in 2017 kein Verständnis mehr dafür.

Wenn die scheinbar linksextremistischen Autonomen sich nicht ordentlich politisch organisieren und daher chaotisch erscheinen und kriminell handeln, ist das nicht zu akzeptieren.
(Allein aus dem Grund, dass der Mensch und sein Besitz geschützt ist und die Verletzung dieser Sphäre strafbar ist.)
Klar aber muss sein, dass die Linksextremismus nicht mit kriminellen Autonomen gleichzusetzen ist.

Im Gegensatz zu Rechtsextremismus, welcher außerhalb der demokratischen Grundordnung steht, sind die Gruppierungen, die zum sogenannten Linksextremismus gerechnet werden, nicht für etwas, sondern eher gegen alles, was anders ist als sie selbst.
Fatale Prinzipienlosigkeit!

Fazit:
1.
Rechts (und der dazugehörige Extremismus) geht gar nicht. Weil rechts außerhalb des Grundgesetzes und der Tugenden der Demokratie handelt.
2.
Links steht auf dem Grundgesetz und der demokratischen Ordnung. - Daran könnte man sich doch im Laufe der Zeit mal gewöhnt haben. - Das ist am leichtesten, wenn man mal das Parteiprogramm der LINKEn liest...
3.
Links ist ungleich mit der anarchischen autonomen Szene.
4.
Wer an Leib und Seele sowie das Eigentum anderer Menschen geht, ist kriminell.
Geltendes Recht sollte lediglich strenger angewendet werden.


Alles andere - so scheint mir - ist Polemik und der gesellschaftlichen Situation nicht gerecht werdend.


Deshalb:

5.
Diejenigen, die sich an Leib und Seele sowie am Eigentum einzelner Menschen und damit auch der Gemeinschaft vergeht, sollten zusätzlich dazu verurteilt werden, dass sie den Schaden abstellen.
Dann sollten die Geldstrafen greifen - hoch, so hoch, dass der Vorsatz zu solchen Handlungen gemindert wird.
Dazu braucht es Exempel.

Abschließend:
Sind die Möglichkeiten der Kommunikation mit den sogennanten Autonomen wirklich ausgeschöpft?
Spricht nicht - wie oft in Deutschland - erst LAW and ORDER, bevor man nach dem x-ten Male Stutzen merkt, dass auch darin die verschiedensten Ursachen liegen könnten, weshalb Menschen ohne Orientierung, Besinnung und Gesinnung keine neue "Haltungen" gewinnen können, dass man viel zu wenig mit diesen Menschen redet...?

Also Zäsur und Paradigmenwechsel machen, ankündigen und realisieren - - - reden.
Was wäre mein - ich hoffe - konstruktiver Vorschlag

von Ben • Kategorie: Wie läuft es denn hier im Forum so (zuletzt bearbeitet: 29.06.2017 01:37)

Auf besonderen Wunsch möchte ich hier einen VERSUCHS-BLOG einrichten.
Schauen wir, wie das geht...

Wenn wir hier gute Erfahrungen gesammelt haben, dann macht einen neuen Blog von dieser oder jenem vielleicht Freude...

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